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Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

 Christian Pauli ist Kommunikationsleiter der HKB und Präsident von pakt bern – das neue musik netzwerk.

Die Hitze vertreibt jetzt auch die letzten Reste des politischen Diskurses. Wenig diskutiert schrammt die mutlose und einfältige Bestellung der Intendanz des Stadttheaters am vorsommerlichen Bern vorbei – vielen Dank meiner Vorrednerin Sibylle Heiniger für ihre einsame Kritik an dieser Stelle. Der städtischen Kulturabteilung indes schneit eine kleine Sommeraufgabe ins Haus: Kulturminister Berset will die sogenannte Bundesmillion aus der eidgenössischen Kulturförderung 2021–24 tilgen. Notabene der zweite Versuch nach 2016, und dies trotz erhöhten Kulturgeldern des Bundes. Für die Stadt Bern, die sich von diesem Entscheid überrascht zeigt, bleibt nicht viel Zeit fürs Lobbying im Bundeshaus: Im Spätsommer, am 20. September endet die Vernehmlassung.

Die Bundesmillion gibt’s seit den 70er-Jahren. Gedacht für das diplomatische und eidgenössische Korps, falls sich dieses an Berns Kulturangebot laben möchte. Kein Wunder profitierte zunächst fast ausschliesslich der kulturbürgerliche Tempel Stadttheater von der Million. Mittlerweile wird der Bundes­batzen etwas diverser verteilt, auch die Dampfzentrale und die Kunsthalle profitieren davon. Und vor allem hat die Stadt dem ersten Ansinnen von Berset, die Bundesmillion zu streichen, den Fördertopf «Hauptstadtkultur» entgegengehalten. Erfolglos. Die Kultur der Hauptstadt kam nicht zum Fliegen, die geförderten Projekte erreichten keine Ausstrahlung über die Stadt hinaus und das Bundesamt für Kultur liess sich nicht überzeugen.

Die Bundesmillion gehört abgeschafft – zumindest in seiner letztlich feudalen Form. Sie muss komplett neu gedacht werden. Ein paar Ideen: Zukunftsgerichtet, mit Blick auf neue Medien, interdisziplinär, Bern als Hauptstadt des Kulturdiskurses, ein Labor gesellschaftlicher Experimente, regional und national vernetzt. Man darf gespannt sein, was für Argumente die städtische Kulturabteilung auftischt, um die Bundesmillion zum zweiten Mal zu retten.

 

 


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