Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

Christian Pauli ist Leiter Kommunikation und Publikationen der HKB. Er lebt in Bern, hat vier Kinder, mag gerne radikale Kunst und dicke Zeitungen.

«Nein zu ‹No Billag› ist noch keine Lösung!», kommentierte der Musikagent Berthold Seliger vor zwei Wochen prophylaktisch den Schweizer Politschlager in der deutschen Zeitschrift «Konkret». Für etwas können wir den «No Billag»-Initianten danken: Sie haben eine Mediendebatte angestossen, von der Deutschland nur träumen kann. Und den Schweizer Kulturschaffenden die Gelegenheit gegeben, für ihr Schaffen hinzustehen.

Seliger schlägt anstelle des einschläfernden Staatsrundfunks eine öffentlich-rechtliche, also gebühren­finanzierte, aber «staatsferne» Inter­netplattform vor, deren Aufgabe es wäre, «all das an Politik und Kultur bereit zu halten und zu ermöglichen, was sonst nicht stattfindet».

Seligers Vorschlag mag so wolkig sein, wie seine Newsletter lang sind. Ein Hinweis aber ist wichtig: Das «öffentlich-rechtliche Fernsehen» hat – nicht nur in Deutschland – ein Kulturproblem. Musikalisch auf die Schweiz übertragen heisst das: SRF hat viel zu viel «Kuhmusik». Die Swiss Music Awards und das Spezialprogramm «Schweizer Musik – Ein ganzer Tag» auf allen Sendern des Schweizer Radios markierten den kulturellen Tiefschlag während der «No Billag»-Debatte. Swissness als politische Korrektheit – das Todesurteil für Kultur.

Unsere kleine Schweizer Welt ist im Umbruch, vielgestaltig, multikulturell, sozial und kulturell widersprüchlich, kontrovers. Öffentliches Radio und Fernsehen muss die Türen zu dieser Realität da draussen aufreissen. Das ist die Lektion aus «No Billag»: SRF wird mutiger, offener, informativer, zeitgenössischer. An seichten, nationalen Unterhaltungsquatsch lassen wir dagegen die privaten Sender ran.

Und noch was: Das No zu «No Billag» stärkt private Sender wie das umtriebige Berner Alternativradio RaBe. Dort wird übrigens gute Musik aus aller Welt gesendet.

 


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