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Pegelstand

von Madeleine Corbat
© Rodja Galli, a259

Madeleine Corbat

Madeleine Corbat ist Produzentin bei Recycled Tv in Bern und Präsidentin des Vereins Cinéville / Kino Rex.

Wenn am kommenden Sonntag die unsäglich unsolidarische «No Billag»-Initiative hoffentlich abgeschmettert wird, dürfen sich die Gegnerinnen und Gegner und vorab die SRG zwar ein paar Tage freuen, doch eine Rückkehr zum Courant normal nach der Feier wäre fatal. So feurig die Debatten der vergangenen Monate geführt wurden, so feurig muss weiterhin diskutiert werden, was für einen Service public, was für eine SRG wir wollen.

Die Jugendlichen etwa, teilweise flammende Befürworter der vermeintlichen Wir-sparen-Geld-Initiative, gehören angehört und ernst genommen. Ebenso die Menschen mit Migrationshintergrund, die sich auf den öffentlich-rechtlichen Sendern schlecht vertreten fühlen: So fällt etwa auf, wie wenige Menschen mit Migrationshintergrund oder Secondos in den Medien arbeiten oder an den Moderationspulten stehen.

Und nach Zürich sei gesendet: An der nationalen Kundgebung gegen die «No Billag»-Initiative in Bern war in erster Linie Französisch zu hören. Dass aber die meisten gefährdeten Arbeitsplätze in Zürich wären, schien die Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus der heimlichen Hauptstadt der Schweiz nicht dazu zu bewegen, sich die Füsse in eigener Sache in Bern anfrieren zu lassen. Ein befremdender Fact, der das Klischee des arroganten Grosszüri zementierte.

Mit witzigen Spots und viel Gratisarbeit hat sich zudem die unabhängige Schweizer Film- und die Musikbranche (neben unzähligen Kulturverbänden) gegen die Initiative eingesetzt – natürlich auch aus Eigeninteresse. Dennoch gilt es, auch sie mit ihren versierten Technikerinnen und Technikern ernst zu nehmen, nach ihren Anliegen zu fragen und weiterhin für faire Produktionsbedingungen einzustehen.

In jedem Fall scheint der Abstimmungskampf die einheimische Kultur- und Medienbranche zusammengeschweisst zu haben. Das ist erfreulich, nur bleibt zu hoffen, dass sich diese neue Solidarität nicht in kürzester Zeit in Luft auflöst. Deshalb: Nein zu «No Billag». Danach reden wir weiter.

 


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