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Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

Christian Pauli ist Kommunikationsleiter der HKB und bei pakt bern – das neue musik netzwerk engagiert.

Kaum haben wir den endlosen Pop-Up-Sommer in unserer putzigen Stadt einigermassen schadlos überstanden, ereilt uns der Hüttenzauber. Statt Drängeln vor Paletten-Bars an vollgestopften Aare-Ufern schnuppert man nun an den Glühwein- und Fondue--Schwaden, die aus allen Ecken dieser Stadt entweichen. Bern hat für alle etwas. Publibike, Spielquartierplätze, Foodfestivals, Zwischennutzungen, Winterwunderland, Formel-E-Rennen: So viel Spass und Wellness im öffentlichen Raum erzeugt Überdruss. Was für eine Stadtkultur wollen wir? Wie viel Bespassung soll den Stadtbürgerinnen und -bürgern anheim kommen?

 
Mir stossen die allgegenwärtigen Holzbaracken – mit Tannästen und 
Silberglimmer – auch sauer auf. Dann aber dachte ich: Ist doch gut, wenn wir «Stadtkinder» auch mal sehen, riechen und hören, dass da draussen im «Alpenland» Gölä und Trauffer die Musik machen und die SVP mit SBI-Plakaten ganze Landschaften – wenn auch erfolg--
los – dominiert. Das Land ist dieser Stadt näher als so manche(r) es sich wünscht.


Es ist auch eine politische Frage: Was für eine Stadtpolitik wollen wir? Fragt man nach der Halbzeitbilanz des seit zwei Jahren amtierenden Gemeinderates herrscht Schulterzucken. Wenigstens tanzt Reto Nause aus der Reihe der stadtkulturellen Schmuseoffensive. Der einzige bürgerliche Gemeinderat ist ein Meister der unglaublichsten Spagate. Geht auf dem Märit einkaufen, schwärmt für Punkrock, wirft sich für mehr «Winterwunderland» ins Zeug und begleitet Polizisten, die nicht unter seiner Obhut agieren aber seine politische Agenda befeuern, als Spielverderber auf die rot-grüne Spielwiese. Wenn dabei Beizengäste, Ausgehkids und illegale Kleindealer an die Kasse kommen? 
– Egal, es ist ja nur die Kantonspolizei.


Wie soll man die Politik dieser Stadt bilanzieren? Vielleicht lässt man es daran festmachen: auf der einst heiss umstrittenen Schütz hausiert der wunderbar abgetakelte Lunapark einträchtig neben dem hippen Vintage-Raclettezelt. Das ist ein einmaliger, (un-)gewollter Kulturclash, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Die Kantonspolizei aber tut immer noch was die Stadt (nicht) will.


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