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Pegelstand

von Wolfgang Böhler
© Rodja Galli, a259

Wolfgang Böhler

Wolfgang Böhler ist Philosoph, Dozent für Musikphilosophie und -psychologie und Gründer des Onlinemagazins Codex flores. Er publiziert zu Musikwirkungsforschung und Kulturpolitik und ist Dirigent von Männerchören.

Der Berner Cembalist und Dirigent Jörg Ewald Dähler ist am 3. November gestorben. Er stand für eine grosse Epoche der Musikgeschichte des Kantons. Geprägt war sie von Pfarrers-söhnen, Kirchenmusik – in erster Linie von Bach – und einer Hingabe ans musikalische Werk, das ungeahnte handwerkliche Höhen, manchmal aber auch eine beklemmende künstlerische Strenge mit sich brachte.

In den 80er- und 90er-Jahren war ich in Bern als Musikberichterstatter sehr oft unterwegs, auch auf dem Land. Dählers Persönlichkeit, die körperliche Fragilität mit ausgeprägtem kreativem Eigensinn verband, ist etwas vom Wenigen, was mir aus dieser Zeit lebhaft in Erinnerung geblieben ist. Und eine Aufnahme der Schubert-Klaviertrios mit Dähler am Fortepiano, Hansheinz Schneeberger an der Geige und Thomas Demenga am Cello. Etwas anderes ist die damalige soziale Geschlossenheit des Berner Kulturlebens, das Diversität kaum kannte.

Wie hat sich das Berner Musikleben seither verändert! Vieles ist leichter, entspannter, offener und vielfältiger, aber auch unverbindlicher geworden. In vielem geben heute Zugezogene den Ton an und das ist auch gut so.

Vor allem auf dem Land sind die Kirchen oft die einzigen Konzertsäle und werden von der Bevölkerung auch ausserhalb der religiösen Agenda als solche genutzt. Es sind vertraute Räume, die unkompliziert sind im Zugang, aber eine konzentrierte Atmosphäre begünstigen und von den Bewohnerinnen und Bewohnern einer Stadt oder eines Dorfes als ihr eigener Ort der Begegnung betrachtet werden. Da findet Kultur im Zentrum einer Gemeinschaft statt. Sie wird dort nicht als etwas aufgenommen, was von aussen gebracht wird. Etwas allerdings stimmt bedenklich: Diese enge und selbstverständliche Verbindung von Kulturleben und Gemeinschaft droht mit der Marginalisierung der Kirchen verloren zu gehen.

 


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