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Pegelstand

von Barbara Boss
© Rodja Galli, a259

Barbara Boss

Barbara Boss ist freischaffende Produktionsleiterin und Dramaturgin und Mitglied des Theaterkollektivs Faust Gottes. Sie ist ein «Bärgmeitschi» aus dem Oberland, fühlt sich aber in der Stadt Bern heimisch. Sie mag guten Schnaps, Bruce Springsteen und Katharsis im Theater.

Mein letzter «Pegelstand» drehte sich um den Frieden – dieser um die Liebe. Die grossen Themen halten schliesslich die Welt am Laufen, auch à petite Berne. Grund für meine akute amouröse Obsession und Reflexion ist das Festival Tanz in Bern in der Dampfzentrale.

Die Jubiläumsausgabe zum Thema «Verbotene Liebe» zeigt l’amour in all ihren Formen, besonders den grenz-überschreitenden. Die elf eingeladenen Tanzproduktionen entfalten und demontieren Begehren, Leidenschaft, Zwang und Normen. Dazu gibt es auffallend viel Vermittlung, um dem Austauschbedarf angesichts des Gegenstandes gerecht zu werden. Herz öffnend und Gedanken stimulierend.

Die Dampfzentrale wird zum Ort des Diskurses: Publikumsgespräche mit Expertinnen und Experten, Dating-Gesprächsrunde, Intervention des Publikums mittels Zeichnungen zum Gesehenen. Das Denken und Reden wird sinnlich ergänzt durch Voguing-Workshop, Rollschuh-Disco oder einen körperliebenden Work-Out zum Start in den Sonntag. Und fürs Raumerlebnis: die Beziehungswirren einfädelnde Installation von Paula Sansano im Foyer. Da schlagen Eros, Agape und Philos allesamt laut in der Brust. Love is stronger than rules!

Tanz in Bern zieht gekonnt alle Register des Kontextprogrammes und hinterfragt Heteronormativität, Machtstrukturen und Tabus in der Liebe – und das gar über den Ort des Geschehens und den Tanz hinaus. Kooperativ und brückenschlagend. Etwa mit einem thematischen Büchertisch in der Zytglogge-Buchhandlung oder einem Vortrag zur Robotik in der Kunst im Rahmen der Collegium-Generale-Ringvorlesung an der Uni Bern.

Genau das wünsche ich mir von allen Berner Festivals und Kulturinstitutionen. Mehr Austausch. Weniger Berührungsängste. Mehr Zusammenhang. Weniger Vereinzelung. Mehr grosse Themen – und weniger Verbote.

In diesem Sinne: We’ll ride down, baby, into this tunnel of love.


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