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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der IG Nachtleben.

Ja, man kann durchaus geteilter Meinung sein, was die Formel E in Bern angeht. Ja, es gibt gute Argumente gegen ein Elektro-Auto-Rennen. Und es gibt Argumente dafür. Nun könnte man ja eine Diskussion führen.
Macht man in Bern aber nicht. Hier wird der Zweihänder aus dem Schrank geholt und schon mal ordentlich auf den «Es ist immer Wahlkampf»-Putz gehauen. Inhaltliche Auseinandersetzungen und Diskussionen? Puste-kuchen!

 


Während die Gegner den Untergang des Abendlandes postulieren und mittels zu später Petition noch versuchen, alle Akkus zum Erliegen zu bringen, wird auf der anderen Seite gejubelt, als hätte man den Mobilitäts-Nobelpreis gewonnen. Was nicht passiert: einander zuhören und Argumente austauschen. «Der andere kann ja nicht auch recht haben, wenn ich schon recht habe …»

Befürwortende gehen davon aus, dass Renn-Kritikerinnen und -Kritiker zukunfts-, technologie- und lebensfeindliche Birkenstockträger sind. Umgekehrt betiteln Rennkritische das Pro-Lager als unkritische, technologiegläubige «Nach mir die Sintflut»-Egoisten.


Diese Polarisierung auf allen Seiten führt vor allem dazu, dass Dinge nicht mehr ausprobiert und verbessert werden. «Man» weiss schon lange im Voraus, was recht oder schlecht, gut oder böse, machbar oder Träumerei ist. Und weil man das weiss, muss sich ja keiner mehr die Pfoten am Herd verbrennen. Entwicklung ausgeschlossen. Es wäre wünschenswert, wir würden zu einer Kultur zurückfinden, in der Meinungen auch das Resultat einer Diskussion mit Andersdenkenden und wo die Argumente der oder des anderen vielleicht auch mal richtig sein können.


Die Formel-E-Debatte und die gehässige Form, in der sie geführt wird, zeichnet ein bedenkliches Sittenbild unserer Diskussionskultur. Ich weiss noch nicht, ob ich das Rennen gut 
finde oder nicht. Ich werde mir jetzt mal die Zeit nehmen, die Argumente gegeneinander abzuwägen. Abschliessend urteilen werde ich wohl im Juni 2019. Im Wissen, was jetzt genau gut und was schlecht gelaufen ist.


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