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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der IG Nachtleben.

«Z'Beschte wo's je hets gits!» Das selbsterfüllende Prophezeiungszitat aus dem Theater «Krabat» im Stadttheater Bern. Eigentlich war ich ja nur wegen meiner letzten Chance zur Retourkutsche im neurenovierten Haus am Kornhausplatz. Am 5. Februar 2005 schrieb der abgetretene BKA-Kolumnist Simon Jäggi damals im «Bund» über «Zweitklass-DJs» in Gratisklubs. Und meinte mich.

«Wart nume», hab ich mir gedacht – und wollte hier und heute eigentlich über einen erstklassigen Musiker schreiben, der in bester Holly­wood-Manier zum Zweitklass-­Schau­spieler avanciert ist.
Dumm gelaufen! Was uns das Schauspielensemble Vorort da auf die Bretter, die die Welt bedeuten, brettert, ist Weltklasse! Weltklasse-­Inszenierung, Weltklasse-Bühnenbild, Weltklasse-Verbindung von Spiel und Musik, Weltklasse-Band – und mittendrin ein Simon Jäggi als Weltklasse-Gevatter. Das lässt sich schon nur daran erkennen, dass die Leute nach der Vorstellung über das Stück sprechen – und nicht über «verlochte Subventionen aus Steuergeldern.»

Als ich das erste Mal zu «Krabat» gehen wollte, war gleichentags die Premiere von «Star Wars 8» im Kino. Es galt, Prioritäten zu setzen. Aber die Jedis haben sogar geholfen, das Stück um die Mühle im Koselbruch besser zu verstehen und den Kids dessen Tiefgang nahezubringen: Der Müller als Kylo Ren unter den Fittichen des unbekannten Sith-Lords (Gevatter) wird von Rebellen (Krabat und Kantorka) bekämpft, die von Han Solo (Juro) und Luke Skywalker (Tonda) gefördert werden. Die Gefahren der dunklen Seite der Macht scheinen die Kids so besser zu verstehen, als wenn im NMG-Unterricht die Zeit zwischen 1933 und 1945 thematisiert wird.

Jetzt ist aus einer Retourkutsche eine Theaterkritik, aus einer erhofften Klatsche ein Loblied und aus einem Kolumnisten ein Theaterstar geworden. Möge die Macht mit ihm sein!


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