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Pegelstand

von Barbara Boss
© Rodja Galli, a259

Barbara Boss

Barbara Boss ist freischaffende Produktionsleiterin und Dramaturgin und Mitglied des Theaterkollektivs Faust Gottes. Sie ist ein «Bärgmeitschi» aus dem Oberland, fühlt sich aber in der Stadt Bern heimisch. Sie mag guten Schnaps, Bruce Springsteen und Katharsis im Theater.

Der September lädt zum Gedenken an den Frieden ein. Etwa am 21. September, dem «Internationalen Tag des Friedens» der UNO.

 

Genug Schreckliches ist seit den letzten zwei grossen Kriegen in Europa geschehen, woran dieser Tag erinnern soll. Genug, möchte man meinen, um nicht immer und immer wieder dieselben Fehler zu machen. Und doch weiss ich vor lauter Krieg nicht recht, woüber sonst schreiben. In Gedenken an diesen Frieden, in dem ich leben und wirken darf. Vieles macht mich bange.

Der feige Krieg der Diktatoren in Syrien währt seit sieben Jahren. Und immer noch steht jeden Tag das Leben von zigtausend Menschen auf dem Spiel. Und in Chemnitz werden womöglich die durch die Strassen gejagt, die dieser Hölle dort entronnen sind. In Bern derweil entscheidet der Bundesrat, es sei vertretbar, Kriegsmaterialexporte in Bürgerkriegsländer zu tätigen. Der Erfolg der Rüstungsindustrie siegt über den Wert eines Menschenlebens, der Wirtschaftsstandort Schweiz über die humanitären Rechte. Und wer sich gegen diese widerliche Absage an die Menschlichkeit äussert und ein starkes Zeichen für den Frieden setzt, wie dies der Zürcher Künstler Roland Roos tat, als er aus Protest die Gedenktafel der Dunantspitze entfernte, die den Begründer des roten Kreuzes Henry Dunant ehrt, der wird bestraft. Und zwar indem ihm ein Werkbeitrag in Höhe von 24 000 Franken verweigert wird.

Da nützt auch der 21. September nichts. Da braucht es deutlich mehr als blosses Gedenken an den Frieden. Contenance angesichts des Weltensturms. Ein Hochhalten der menschlichen Werte des Miteinanders, des Dialogs und der Demokratie. Freiheit der Meinung und der Kunst. Den Mut der Kulturschaffenden, Verantwortung zu übernehmen, laut zu sein und politisch zu agieren. Und eine Kulturpolitik, die diese Beherztheit mitträgt, statt sie im Keim zu ersticken.

In dem Sinne: Give me love, give me peace, don’t you know these days you pay for everything.


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