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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der IG Nachtleben.

Der Donnerstagabend des 27. Julis ist warm, schön und lauschig. Die Szene ist ein mittelgrosser, grüner Park mitten in der Stadt, umrahmt von vielen Geschäfts- und wenigen Wohnhäusern. Dank einer privaten Initiative stehen da schöne Holzhäuschen, Bühnen und Spielmaterial für Kinder bereit. Das dreiwöchige vielfältige Programm umfasst Jonglagekurse, Spielnachmittage, Konzerte, Mittags-Yoga oder T-Shirts drucken. Für Speis und Trank ist gesorgt. Alle Veranstaltungen sind gut besucht und friedlich.

Am 27. Juli also, um 19.30 Uhr, herrscht Stille im Park. Das Konzert von Howald wurde (gewerbe-)polizeilich abgebrochen. Offizielle Begründung: «Konzerte mit Lautsprecher nur für Freitag- und Samstagabend bewilligt, nicht für Donnerstag. Dies aus Rücksicht auf Nachbarschaft.»

Mag sein, dass dafür keine Bewilligung bestand. Das Problem ist weniger, dass die Gewerbepolizei ihre Vorgaben durchsetzt. Das Problem sind die Vorgaben selbst: Dass in Bern für ein Konzert am Frühabend im öffentlichen Raum überhaupt eine Bewilligung notwendig ist. Dass die Behörden das urbane Leben 2018 mit Gesetzen, Auflagen und einem Stadtverständnis aus der Mitte des letzten Jahrhunderts regeln wollen.

Der Widerspruch ist offensichtlich: Während die eine städtische Direktion öffentliche Plätze möbliert und beleben will, erstickt eine andere diese Absicht mit Vorschriften, Auflagen und Verboten, die die Interessen einzelner Anwohner immer über das Interesse einer kulturinteressierten, jungen, lebendigen, urbanen Bevölkerung stellt.

Soll es nächstes Jahr wieder ein Parkonia im Kocherpark geben, soll es überhaupt noch Kultur im öffentlichen Raum geben, dann müssen Stadt und Politik dringend über die Bücher. Sie müssen das Lebendige in den Mittelpunkt stellen. Sie müssen die Bewilligungspraxis ändern und dramatisch verkürzen. Warum sollte sonst jemand noch etwas in der Stadt veranstalten?


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