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Pegelstand

von Wolfgang Böhler
© Rodja Galli, a259

Wolfgang Böhler

Die Chorvereinigung Bern und Umgebung hat sich 2015 bereit erklärt, 
die Organisation des Kantonalen Gesangsfestes 2020 zu übernehmen.

Im Frühling hat sie ihre Mitgliederchöre über das Vorgehen informiert und um Unterstützung in Planung und Organisation gebeten. Leider vergeblich. In einem vor einigen Wochen verschickten Brief erklärt sie, dass sie den Auftrag an den Verband zurückgegeben hat. 2020 wird es deshalb kein Kantonales Gesangsfest geben.

 

Der Berner Kantonalgesangverband bedauert die Entwicklung, zeigt aber Verständnis für die Situation, die «von niemandem verursacht wurde, sondern ein Zeichen der Zeit» sei. Und tatsächlich: Wer mit traditionellen Chorvereinen arbeitet, kann buchstäblich zuschauen, wie deren Basis wegbricht. Kollektiv gesungen wird nicht weniger als früher, altgediente Vereinsstrukturen haben aber an 
Attraktivität verloren, Projektchöre florieren.
Es sind keine Bemühungen sichtbar, diese Entwicklung aufzuhalten oder gar Gegensteuer zu geben. In Politik und Kulturförderung scheint offenbar die Meinung vorzuherrschen, dass dieser Wandel verschmerzbar ist.
Wenn sich das bloss nicht als fataler Irrtum herausstellt. Mit dem traditionellen Vereinswesen geht nämlich auch eine politische Haltung verloren, die für Sicherheit, Stabilität und Zuverlässigkeit unserer Institutionen und Infrastrukturen steht. Empfindlich zu spüren bekommen dies heute bereits etwa die Feuerwehr, Samaritervereine und Gemeindebehörden, die zu wenig Nachwuchs haben und ihre Aufgaben bloss noch mit Schwierigkeiten erfüllen können.

Wir brauchen zeitgemässe Formen, diese Beiträge zum Gemeinwesen zu würdigen. Auch das könnte eine Aufgabe der Kulturschaffenden sein. Um das nämlich geht es bei Anlässen wie Gesangs- und andern Vereinsfesten.


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