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Pegelstand

von Madeleine Corbat
© Rodja Galli, a259

Madeleine Corbat

Madeleine Corbat ist Produzentin bei Recycled Tv in Bern und Präsidentin des Vereins Cinéville / Kino Rex.

Viel ist in den letzten Monaten in der Berner Kinolandschaft geschehen, die Kitag verabschiedet sich kontinuierlich aus der Innenstadt, traditionsreiche Säle werden geschlossen und umgenutzt, ein Einzelkämpfer betreibt neu das Kino Alhambra und dem wunderbaren Lichtspiel droht wegen 
fehlender Subventionen das Lichterlöschen.

Zudem sinken die Eintrittszahlen in den Kinosälen kontinuierlich bis dramatisch – nicht nur in Bern, auch schweizweit. Es ist also dringend an der Zeit, darüber nachzudenken, wohin die einstige Kinostadt Bern – und das gesamte Kinoland Schweiz – ihr cineastisches Schiff lenken. Auch stellt sich die Frage, wie sie mit den neuen Realitäten umgehen will.

Tatsächlich galt Bern lange, besonders in der Blütezeit des Arthouse-Kinos als grossartige Kinostadt, war beliebt auch bei der französischsprachigen Bevölkerung – im Gegensatz etwa zu Basel. Zudem hat die Stadt mit dem Kellerkino das erste unabhängige Kino der Schweiz zu bieten, das besonders in seinen Anfängen über die Landesgrenzen hinaus Geschichte geschrieben hat.

Auf der anderen, der Produktionsseite, ist mit der neuen, erstarkten kantonalen Filmförderung ein blühendes Biotop von Berner Filmschaffenden entstanden, deren Werke natürlich auch auf heimischem Boden gezeigt werden wollen und sollen.

Das Konsumverhalten bei den bewegten Bildern hat sich verändert, nicht nur beim jungen Publikum. Dies gilt es zu akzeptieren, lamentieren nützt nichts. Gerade deshalb ist es an der Zeit, dass sich nicht nur die Politik, sondern speziell auch Kinofans darüber Gedanken machen, wie die Kinolandschaft in einigen Jahren aussehen soll, wie mit dem Kulturgut Kino künftig umgegangen wird, wie schützenswert es ist und wie wertvoll national beachtete Perlen wie das Lichtspiel für Bern sind.

Kürzlich gab es in Bern eine öffentliche Diskussion darüber, wie es mit dem Konzert Theater Bern weitergehen soll. Schön wäre es, wenn eine solche Debatte auch über Film und Kino, die populärste Kultursparte stattfinden würde. Es gibt viel zu gewinnen – oder zu verlieren.


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