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Pegelstand

von Madeleine Corbat
© Rodja Galli, a259

Madeleine Corbat

Madeleine Corbat ist Produzentin bei Recycled Tv in Bern und Präsidentin des Vereins Cinéville / Kino Rex.

Herr Meier – nennen wir ihn Herr Meier – hat mich kürzlich angeblafft, also es sei ja schon eine Sauerei, wie in dieser Stadt Geld verpulvert werde für eine Insider-Kulturparty, das gehe gar nicht. Sicher, Herr Meier, habe ich geantwortet, die Kommunikation betreffend der Sause sei zweifelsfrei nicht glücklich gelaufen, aber der Stadtpräsident habe ja nun gerüffelt und die Kulturbeauftragte bestimmt Fehler eingesehen.

Aber, das musste ich dem Herrn Meier doch erwidern, aber Herr Meier, warum wird in dieser Stadt immer geschrien und postuliert, wenn die Kultur sich erlaubt, etwas «mehr» zu kosten? Und, Herr Meier, wie viel hat denn etwa der Berner Steuerzahler (er sei ja so einer, darauf besteht Herr Meier am Anfang des Gesprächs) bezahlt, damit die Tour de France sicher durch die Stadt fahren konnte, also die Strassen für einen Tag quasi planiert wurden? Oder wie viel kostet den Steuerzahler die YB-Meisterfeier? Sport darf teuer sein, Kultur möglichst günstig, Herr Meier?

Sport interessiere viel mehr Leute, der dürfe auch mehr kosten, gibt sich Herr Meier überzeugt. Schon klar, bloss stecke da eh viel Sponsoring- und Marketingbeiträge drin und mehr Leute verdienten bedeutend mehr Geld damit, Herr Meier! Der Sport lebe bei solchen Anlässen von Freiwilligen, die nichts erhielten – Herr Meier gibt sich hartnäckig, ich werde zunehmend ungehalten. Jetzt mal im Ernst, Herr Meier: Ist Ihnen bewusst, wie viel unbezahlte oder unterbezahlte Arbeit in der Kultur geleistet wird, wie viel freiwilliges Engagement den kulturellen Puls in dieser Stadt am Leben erhält? Und, Herr Meier, sagen Sie jetzt bloss nicht, Kultur sei halt mehr so Hobby und die Leute hätten ja erst noch Freude an ihrem Job, dann könnten sie ihn auch gratis machen.

Nein, Herr Meier, Kunst, Kultur ist oft harte Arbeit, im besten Fall verbunden mit viel Leidenschaft. Und wenn Ihnen, Herr Meier, ihre Arbeit nicht gefällt, ist das nicht das Problem der Kulturschaffenden. Gönnen Sie doch den Kulturschaffenden alle 30 Jahre einmal eine «teure» Party. So wie den YB-Fans auch.


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