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Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

Christian Pauli ist Leiter Kommunikation und Publikationen der HKB. Er lebt in Bern, hat vier Kinder, mag gerne radikale Kunst und dicke Zeitungen.

Das Kollektiv «Die Wohlstands-verwahrlosten», das Ende März die Grosse Halle besetzte, brachte so ziemlich alle, die für die Reitschule sind, in eine verzwickte Lage. Erstens der Trägerverein Grosse Halle, der gerade daran war, die Lethargie der vergangenen Jahre zugunsten eines Neustarts abzuschütteln. Zweitens die Reitschule als Ganzes, deren interne Zwistigkeiten wieder einmal aufbrandeten. Drittens der Berner Gemeinderat, der im Juni erneut vor einer Reitschul-Abstimmung steht (drei Millionen Franken für Renovationen). Und schliesslich die jugendlichen Besetzer, die mit ihrer Forderung nach Gratiskultur und sehr offenen Strukturen für den einen oder anderen Lacher sorgten.

Derweil schwang X-fach-SVP-Rat Erich Hess die Reitschul-Keule. Nun, Hess’ Keule ist mal wieder zerschellt, diesmal an den Mauern des Bundesgerichts. Die Besetzerinnen und Besetzer und der Trägerverein Grosse Halle steuern auf eine Einigung zu, wie einer Pressemitteilung zu entnehmen ist. Hut ab, kann man da nur sagen.

Den «Wohlstandsverwahrlosten» ist zugute zu schreiben, dass sie die öffentliche Diskussion um die Grosse Halle provozierten, und sich im Verlauf der Besetzung konstruktiv genug zeigten, ihre Positionen zu verhandeln. Der Trägerverein Grosse Halle reagierte kritik- und dialogbereit. Und so kommt es, dass diese grotesk anmutende Besetzung einer Besetzung, die eigentlich ein Generationenkonflikt ist, der Grossen Halle eine unumgängliche Veränderung aufzwingen konnte. Dass alle Beteiligten bereit sind, mitzumachen, ist ein gutes Zeichen für die Reitschule und die Stadt Bern.

Die Grosse Halle wird sich also öffnen und mehr Freiraum bieten. Gut so. Sie muss jünger werden, wilder. Kommerzielle Parties können woanders stattfinden. Der nebulös agierende und stadtverwaltungsnahe Vorstand des Vereins muss sich ebenso verändern, wie die neue Co-Leitung ein neues Kapitel öffnet. Etablierte Kulturformate sollen sich hier reiben am anarchischen Do-it-yourself-Prinzip. So kann die Grosse Halle zu einem spannenden Tummelplatz werden. Und Bern bekommt eine vibrierende Kultur- und Sozialmeile: von der Reitschule inklusive Grosser Halle und Schützenmatte bis hin zum Progr.

 

 


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