Pegelstand

von Madeleine Corbat
© Rodja Galli, a259

Madeleine Corbat

Madeleine Corbat ist Produzentin bei Recycled Tv in Bern und Präsidentin des Vereins Cinéville / Kino Rex.

Das Bonmot «Feste feiern wie sie fallen» ist in Bern gerade ein heikles Thema. Speziell im kulturellen Kontext kann es strenge Buchhalterseelen zum Kochen bringen, wie die aktuelle Diskussion um das Fest der Abteilung Kulturelles zeigt.
Die Herausforderung in den nächsten Wochen ist also gross, wenn es darum geht, die erste Fussball-Meisterfeier seit Jahrzehnten in der Bundesstadt auszurichten. Oder gar das Double! Doch Fussball ist schliesslich immer auch Kultur, und wie hinlänglich bekannt ist, gibt es einige Kulturschaffende in Bern, die leidenschaftliche YB-Fans sind – seit Jahren. Eine kul­turell-sportliche Kooperation drängt sich also auf und die Vorbereitungszeit ist kurz. Immerhin dürfte man annehmen, dass bei dieser Feier die Kostentoleranz über alle Parteigrenzen hinweg höher sein dürfte – und kein politisches Nachspiel droht.

Sport darf gerne mehr kosten als Kultur, das wissen wir spätestens, seit die Tour de France durch Bern geradelt ist. Und die YB-Verantwortlichen haben sich spätestens seit den Dreharbeiten zum Spielfilm «Mario» mit
ihrer offenherzigen und mutigen Kooperation als Lieblinge der hiesigen Filmszene etabliert.

Feierliche Vorschläge also sind gefragt. Zum Beispiel: Hoarau singt mit Kuno französische Chansons, Lenz liest mit Wölfli Gedichte aus Grenchen und Olten und der Stapi steht als Goalie vor eine Torwand, die Physiotherapeuten und Clubärzte von YB halten sich für den Notfall am Spielfeldrand in Position; begleitet wird das dramatische Torschiessen von Schülerinnen und Schülern des Konservatoriums Bern – mit Pauken und Trompeten.

Gekocht wird ein ivorisches Nationalgericht von Roger Assalé, serviert am besten im Progr, und ein junges Berner Filmtalent dreht das Making-of der gesamten Feier. Das Starpotenzial könnte grösser nicht sein. Und wer weiss, wie lange Bern danach wieder auf einen Meistertitel warten muss. Und auf ein Fest, das (fast) allen gefällt.

 


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