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Pegelstand

von Wolfgang Böhler
© Rodja Galli, a259

Wolfgang Böhler

Wolfgang Böhler ist Philosoph, Dozent für Musikphilosophie und -psychologie und Gründer des Onlinemagazins Codex flores. Er publiziert zu Musikwirkungsforschung und Kulturpolitik und ist Dirigent von Männerchören.

In der Kulturpolitik liegt der Akzent weit mehr auf der Politik als auf der Kultur. Auch für sie gilt das Verdikt des Soziologen Max Weber, der Politik als «starkes langsames Bohren von harten Brettern» bezeichnet hat. Sachpolitik ist alles andere als unterhaltsam, sie wird von Juristenjargon geprägt und wirkt in den seltensten Fällen inspirierend.

Dies trifft auch auf das Thema der Altersvorsorge von freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern zu. Dahinter verbergen sich viele tragische Einzelschicksale, die selten medial an die Oberfläche gelangen, weil Betroffene, deren Werk vielleicht nicht mehr in Mode ist, zu stolz sind, ihre schwierige Situation zu thematisieren. Oder weil die Kulturgesellschaft trotz ihres Selbstverständnisses von sozialem Engagement gerne die Erfolgreichen ins Schaufenster stellt und die Erfolglosen meidet.

Seit Anfang 2017 leistet Kultur Stadt Bern Beiträge an die berufliche Vorsorge, wenn freischaffende Künstlerinnen und Künstler nachweisen, dass sie ebenfalls einen Beitrag in die gebundene Vorsorge einzahlen. Auf Beiträgen für Ankäufe, Projekte und so weiter von über 10 000 Franken pro Jahr steuert die Stadt zusätzlich sechs Prozent für die freiwillige Altersvorsorge bei.

Für einen würdigen Lebensabend der Kreativen machen sich nun Berner Stadtratsmitglieder mit einer Motion stark. Die SP/Juso-Fraktion will mit der Motion erreichen, dass die Schwelle für solche Beiträge auf einen Franken gesenkt wird. Sie geht davon aus, dass die Untergrenze von 10 000 Franken pro Jahr und Kulturschaffenden nur schwer zu erreichen ist.

Ein weiterer Mosaikstein wäre mehr Verantwortungsbewusstsein von Veranstaltern: Schwarzarbeit ist in der Branche noch immer verbreitet. Sozialbeiträge solidarisch mitzutragen, täte dem Geschäft sicher keinen Abbruch.


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