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Pegelstand

von Simon Jäggi
© Rodja Galli, a259

Simon Jäggi

Simon Jäggi ist Sänger der Kummerbuben und im Naturhistorischen Museum Bern zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Er hat Familie und hält Hühner. Illustration: Rodja Galli, a259

Eigentlich möchte ich schon lange mit dieser Kolumne aufhören. Jetzt zum Beispiel. Draussen scheint die Sonne und ich würde viel lieber Velofahren gehen.

So ergeht es mir auch in der Musik. Aufhören, alles hinschmeissen, sich befreien vom Sperrgut – diese Sehnsucht kenne ich nur zu gut. Aufhören will man vor allem, wenn es schwer wird. Wenn ein neues Album ansteht und man nicht weiss, ob was draus wird. Die Bandkollegen fangen an zu nerven, der Selbstzweifel nagt an einem und man sieht sich enden als Altherrenband, welche zwischen dem Ochsen Blumenstein und dem Gemeindezentrum Hägglingen (fiktive Beispiele) tingelt. Oder an einem lauen Tag, wo sich alle zum Grillen treffen, und man hat irgendwo im tiefen Thurgau einen Gig, wo eh keine Leute kommen, weil es so warm ist. Man muss schon um 13 Uhr los, weil Feierabendverkehr am Freitag, obwohl der Gig erst auf 22 Uhr angesetzt ist. In solchen Momenten sitze ich dann übellaunig im Bandbus, der wie alle Ü-30er schon paar Schrammen abbekommen hat, und denke ans Auf­hören.

Aber dann. Dann hat es sich doch irgendwie gelohnt. Vielleicht waren nur wenige Leute da. Aber dafür ein kurzer Moment des Glücks auf der Bühne. Diese Leidenschaft gespürt, die einem offenbar so viel gibt. Und man ist dankbar für das Privileg, überhaupt auf einer Bühne stehen zu dürfen. Und die Freunde zu Hause haben ihr Kotelett verbrannt und sich insgeheim auch etwas gelangweilt am Grillfest.

Manchmal schmerzt der Rücken. Und manchmal ist die Kunst hartes Brot. Aber solange das Feuer nicht erloschen ist, lohnt es sich, solche Momente zu ertragen. Es kommen andere. Danke Roger Federer. PS: Ich gehe nun Velofahren, und klar, ich werde auch mit dieser Kolumne vorderhand nicht aufhören.


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