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Pegelstand

von Christian Pauli
© Rodja Galli, a259

Christian Pauli

Christian Pauli ist Leiter Kommunikation und Publikationen der HKB. Er lebt in Bern, hat vier Kinder, mag gerne radikale Kunst und dicke Zeitungen. Illustration: Rodja Galli, a259

Ne, von mir gibt es hier keinen weinerlichen Abgesang auf den Hochsommer in Bern. Summer in the City – das wird in Bern so überhöht wie das Baden in der Aare verklärt. Das mediterran zelebrierte Lebensgefühl geht mir echt auf den Wecker. Mit Erleichterung nehme ich zur Kenntnis, dass die Touristiker nicht mehr Kapital aus dem hiesigen Sommer samt seinem Fluss raushauen.

Am letzten Mittwoch im August putzten sich alle nochmals heraus, der angeblich letzte Sommertag wollte geteilt werden. Ich verkroch mich in ein Loch ausserhalb der Stadt und harrte der Dinge, die da kommen. Am Morgen war es immer noch sehr «düppig», die Entspannung folgte im Laufe des Donnerstagmorgens. Heuer war der Wetterumschlag besonders virulent. Ein Temperatursturz wie eine plötzliche Depression: Die Stadt, die uns so gefällt, schrumpft wieder auf die Grösse, die sie eben hat, respektive nicht hat.

Ich bin froh, dass der Sommer vorbei ist. Reality strikes back. Aber nicht nur: Mit Abgang des Sommers 2017 werden Ende September nämlich auch die 100 BernARTiner verschwinden, die nun tragischerweise in Form von Selfies weltweit Bildschirme verunstalten – für das rot-grüne Bern ein gigantischer Imageschaden. Man kann nur hoffen, dass sich Tagestouristinnen und -touristen in Schweden wähnten, als sie den 15 Kilogramm schweren Haufen aus glasfaserverstärkten Polyester ablichteten.

Ob die Hunde in eine Sondermülldeponie wandern oder für einen guten Zweck irgendwohin verschachert werden, ist mir einerlei. Einfach weg, weg aus meinem Blickwinkel, weg aus dem Leben dieser Stadt, die wegen diesen Hunden ein bisschen weniger meine Stadt war. Endlich wieder Winter.

Übrigens hat Bundesbern durchaus ein Herz für die Stadt Bern. Angesichts der um sich greifenden Postsommerdepression verzichteten Berset und Co auf die Streichung der Bundesmillion. Ich sag es ja: Endlich wieder Winter in Bern.


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