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Pegelstand

von Alexandra von Arx
© Rodja Galli, a259

Alexandra von Arx

Alexandra von Arx ist derzeit in der Berner Kulturförderung tätig und organisiert das hiesige Literaturfest sowie die Literatur-Gespräche im Schweizerhof Bern. Illustration: Rodja Galli, a259

Kürzlich war ich im Literaturhaus Basel an einer Lesung von Aleksandar Hemon. Womöglich habe ich hier schon einmal von ihm geschwärmt, denn sein Roman «Lazarus» und der autobiografische Band «Das Buch meiner Leben» waren für mich regelrechte Erleuchtungen.

Dass er ein wunderbarer und relevanter Autor ist, entspringt, glaube ich, nicht nur meiner subjektiven Wahrnehmung, immerhin hat Hemon auch schon ein MacArthur Fellowship erhalten. Dieser «Genie-Preis» ist mit 625 000 US-Dollar eine der höchstdotierten, zugleich an keine Bedingungen geknüpften Auszeichnungen in den USA. Nebenbei bemerkt ist die Liste der bisherigen Preisträger eine wahre Fundgrube.

Ich hatte mir also mein Ticket bereits im Vorverkauf gesichert. Unnötige Angst. Es kamen gerade mal 16 Nasen. Stellen Sie sich das vor: Da sitzt ein Weltklasse-Autor, aber fast niemanden interessiert es. Nur will ich das nicht recht glauben. Zwei Erklärungsversuche: Entweder machen feste Subventionen träge und es wurde beispielsweise versäumt, die slawische Community anzusprechen, die mit dem in Bosnien geborenen Autor hätte abgeholt werden können. Um mein verstaubendes Kulturmanagementvokabular wieder einmal anzuwenden: Zielgruppenspezifisches Marketing nennt sich das.

Oder es hat sich herumgesprochen, wie solche Lesungen in der Regel ablaufen. Von 80 Minuten wurden nämlich 10 von der Moderation für die Einführung aufgewendet, anschliessend gingen gefühlte 50 Minuten für einen auf Deutsch lesenden, sich selbst in Szene setzenden Schauspieler drauf und weitere 10 für die Lesung von Hemon auf Englisch. Schliesslich blieben noch knappe 10 Minuten für ein Gespräch, in dem Hemon nicht mehr als andeuten konnte, was er eigentlich alles zu sagen gehabt hätte und worüber man sich mit ihm hätte unterhalten können. Ein bisschen schade. Oder was denken Sie dazu?


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