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Off the Record

von Ronja Fankhauser
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard

Ronja Fankhauser

Ronja oder Ra Fankhauser ist auf einem Bauernhof im Gantrisch aufgewachsen und lebt nun mitten in der Stadt Bern. Ra ist Schriftsteller*in ohne Pronomen, studiert am Literaturinstitut in Biel und reflektiert off-the-record sich selbst und das, was politisch und kulturell so läuft.

Mit Theater sind oft bestimmte Bilder verbunden: dumpf-dunkler Raum, grelle Bühne, harte Sitzreihen, totenstilles Publikum. Aber es geht auch anders! Vor ein paar Monaten habe ich die Performance von Nina Mühlemann und Edwin Ramirez in der grossen Halle gesehen. «Criptonite» ist eine «Relaxed Performance». Das bedeutet: Die Zuschauer*innen dürfen während der Vorstellung herumgehen, den Raum verlassen und betreten, neben Stühlen gibt es auch Sofas und Kissen. Geräusche werden nicht als störend wahrgenommen, Essen und Trinken ist erlaubt.

 

Immer noch ist Kultur, die neugierig, transformativ und inklusiv sein möchte, oft starr und ausschliessend. Vielfach sind keine Kinder anwesend, keine alten Leute, keine Menschen im Rollstuhl, keine Blindenhunde. Wenn das Publikum einer Veranstaltung aussieht wie eine H&M-Werbung, läuft irgendwas falsch. Gerade in Bern kommt es mir so vor, als wäre da so eine Diskrepanz zwischen den theoretischen Ideen der Kulturszene und der Umsetzung: Überall hängen Anti-Diskriminierungsschilder, aber kaum ein Club warnt vor Strobolicht oder Rauchmaschinen. Wie gehen Leute mit Epilepsie in den Ausgang? Diejenigen, die aufgrund von Suchtgefährdung nur Orte ohne Alkoholkonsum besuchen können? Wo können Körper mit chronischen Schmerzen sich an Konzerten ausruhen? Wie besucht eine Person mit Tourette-Syndrom ein Theater? Wie vernetzen sich Künstler*innen, die nicht sprechen können? Ein positives Beispiel ist die «Social Story» auf der Website der Dampfzentrale – das ist eine bebilderte Beschreibung des Besuchs in einfacher Sprache, die helfen kann, sich darauf vorzubereiten. Social Stories und Relaxed Performances sind aber immer noch eher die Ausnahme, Events wie «Criptonite», die sich in allen Aspekten mit Barrierefreiheit auseinandersetzen, gibt es kaum.

Nina Mühlemann und Edwin Ramirez haben beide eine Behinderung, agieren aus eigenen Erfahrungen und Bedürfnissen. Das ist wohl der Schlüssel zu zugänglicher Kultur: Auf Menschen mit Behinderung hören, sie hinter und auf die Bühne lassen – und nicht nur dann, wenn es inhaltlich um Behinderung geht, sondern auch sonst.

Illustration: Olivia von Wattenwyl, Blackyard


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