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Off the Record

von Jeannette Wolf
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard

Jeannette Wolf

Jeannette Wolf macht die Bar im Kino Rex, kleine Hörstücke und Radio bei RaBe. Was die Wahlbernerin aus Hamburg vom Kulturleben so aufschnappt, teilt sie off-the-record mit den Leser*innen der BKA.

«Täynnä melankoliaa odotan sinua …», singt die blonde Sängerin der finnischen Tangokapelle, der ich mit ein paar Freunden vor der Konzertmuschel im Hamburger «Planten un Blomen» (Grünanlage mit Blumenrabatten) lausche.

Wir werden eingestimmt auf Melancholie und Verderben. Mitte Juli, warm und abendsonnig, Ferien in meiner zweiten Heimat.

Der Konzerteintritt ist gratis. Im Flyer lese ich, dass alle Wochenend-konzerte hier Teil der Reihe «Umsonst & Draussen im Grünen» sind. Ist ja toll. Wir investieren unser Geld also in ein Astra (Hamburger Hopfenplörre) und später in einen Tonträger der Band.

Wer bezahlt hier bloss Künstler und Infrastruktur, frage ich mich derweil? Bestimmt nicht die üblichen Sponsoren alleine. Die Hamburger Kulturbehörde habe dieses Jahr 10 Millionen Euro in die gebeutelte Kulturszene gesteckt, erfahre ich später vom Veranstalter.

Potzblitz! Wo hat denn die sonst 
so klamme Hansestadt plötzlich das viele Geld für Kultur her? Im Lotto gewonnen? Von woanders abgezwackt? Schluck Bier.

«Wie läufts denn dieses Jahr in Bern mit Veranstaltungen?» fragt es aus der Freundesrunde.

«Zunächst läuft dieses Jahr viel 
Regen, und es ist kalt. Aber sonst, alles roger. In Regenpausen gibt es Openair-konzerte, und ein paar Festivals haben sich doch durchgerungen, stattzufinden. Auch in Bern gibt es Sponsoren, Kulturförderung, eine Burgergemeinde …» «Burger was?» Das erkläre ich später, schliesslich möchte ich mich noch etwas vom finnischen Herzschmerz einlullen lassen, der mittlerweile auf dem Höhepunkt angelangt ist.

Plötzlich spinne ich den verwegenen Gedanken, ob nicht vielleicht Bernburger Geld gen Norden fliesst? Ha: Eine Bernburgerin hat sich unsterblich in einen charmanten, verarmten Hamburger Musiker verliebt, eröffnet zwecks Geldwäsche dort ein Teekontor und leitet nun feudal einen Teil der Bernburger Finanzen um in die Hansekultur. Das würde einiges erklären!

Die Finnen sind fertig. Ich brauche noch ein Astra.

Moin moin, hier schreibt neu (und nicht im Auftrag der HamBurgergemeinde): Frau Wolf.

Illustration: Olivia von Wattenwyl/Blackyard

 

 


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