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Off the Record

von Katharina Altas
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard

Katharina Altas

Katharina Altas ist Literaturagentin und SP-Stadträtin. Off-the-record macht sie das, was sie auch im Rathaus oder im Literaturbetrieb macht: für die Kultur ein Wort einlegen und sie ermöglichen.

Warum können Worte so gefährlich sein, dass Autor*innen und Journalist*innen weltweit derart in Gefahr geraten? 

Guy Montag ist Feuerwehrmann, aber er löscht schon lange keine Brände mehr, sondern verbrennt Bücher. In «Fahrenheit 451», einem dystopischen Roman von Ray Bradbury, ist Lesen geächtet und auf Buchbesitz steht eine Strafe. Die Menschen werden mit Entertainment, Glücksdrogen und Dauerberieselung kleingehalten. Guy Montag nimmt zunächst an den Bücherverbrennungen teil, beginnt dann aber heimlich zu lesen und das ganze System in Frage zu stellen. Bis er schlussendlich ausbricht und sich den Buchmenschen anschliesst, die Bücher auswendig lernen, damit sie mündlich überliefert werden können.

Nicht nur Bücher stellen für autori­täre Staaten eine Gefahr dar, auch die Autor*innen, die sie verfassen. Die Schriftstellervereinigung PEN ruft am 15. November, am Tag des inhaftierten Schriftstellers, zur Solidarität auf. Die Freiheit des Wortes ist in vielen Ländern bedroht. Autoritäre Regimes reagieren auf die leiseste Kritik von Journalist*innen und Schriftsteller*innen mit Einschüchterungen, Gewalt und Gefängnis.

Im «Writers in Exile»-Programm können bedrohte Autor*innen Zuflucht in der Schweiz suchen. Viele Städte gewähren verfolgten Schriftsteller*innen Schutz. Diese Städte bilden ein internationales Netzwerk: ICORN. 2019 ist Bern als erste Schweizer Stadt der Organisation beigetreten. Auch der Verein «Weiter Schreiben Schweiz», 2020 gegründet, gibt geflüchteten Autor*innen eine Stimme. Sie dürfen im wahrsten Sinne des Wortes weiterschreiben, in ihrer Sprache, und werden in eine Landessprache übersetzt.

«Wir leben in einer Diktatur!», hören wir in diesen Tagen hierzulande öfters. Ich staune über solche Aus­sagen und manch andere irrsinnige Vergleiche. Die Meinungsäusserungs-, die Publikations- wie auch die Kunstfreiheit sind in der Schweiz gewahrt – ganz anders als anderswo. Dazu ein Beispiel: Ein ägyptischer Autor, der hier als Writer in Residence weilt, berichtete an einer Literaturveranstaltung, wie die lokalen Machthaber seine Heimatstadt Kairo zubetonieren. Dabei zog er einen Vergleich zu den vielen Grünräumen in der Schweiz. Seitdem wird seine Familie von der ägyptischen Geheimpolizei belagert. Bei einer Rückkehr drohen ihm Haft und Folter.


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