mitgliederwerden grey iconMitglied werden

Off the Record

von Thierry Gnahoré
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard

Thierry Gnahoré

Thierry Gnahoré wuchs in Niederscherli auf und lebt heute in Biel. Als Nativ macht er Rap mit Lyrics, die von Rassismus, Revolte und vom Schwarzsein handeln. Was in seinen Tracks keine Erwähnung findet, schreibt er hier off-the-record auf.

Das Schweigen der Lämmer. Brutaler Film. Keine Ahnung, warum ich das hierhin schreibe. Aber ich sähe auch keinen Grund, warum nicht. Das Schöne am Schreiben beziehungsweise am Lesen oder an Kunst generell ist, jede*r interpretiert etwas anderes und anders. So entstehen Diskussionen, Reibung, Ideen, Inspiration, Austausch. Kunst ist ein Spiegel der Gesellschaft. Die Art, wie sie ist und wie wir sie wahrnehmen, zeigt, wo wir stehen. Wir müssen uns nicht immer einig sein, was gut und was schlecht ist.

 

Manchmal staune ich darüber, dass ich Songs, die so gar nicht meinem Geschmack entsprechen, plötzlich mag, wenn ich sie fühle. Wie beispielsweise jeder Ata-Kak-Song. Beim ersten Hören erscheint sein ghanaischer Hip-Hop-House, gespickt mit dem Sound eines Basic Keybords, eher billig und schräg. Doch beim wiederholten Hören sind es genau die schrägen Töne, die Imperfektion und die Einfachheit, die so einzigartig sind und das ganze energetisch aufladen.

Sowieso, wer bin ich, die Tiefe und Wichtigkeit von Kunst zu beurteilen? Okay, ich glaube, ich muss da eine kleine Einschränkung machen: Bei Künstlern wie Göla oder Trauffer muss ich passen. Einfach schon deshalb, weil ich mich nicht mit menschenfeindlichen Positionen identifizieren kann und will.

Die Kulturszene verlangt Verständnis. Keinesfalls sollte sie ausgrenzen. Keinesfalls sollte sie ihre Existenzberechtigung über diejenige anderer Künstler*innen stellen. Im besten Fall bietet sie Raum, anstatt diesen einzuschränken. Denn wie könnten sich Kunst und Kultur entwickeln, wenn sie einem totalitären Muster folgten? Wenn jeder Song gleich klingen müsste, um als gut wahrgenommen zu werden? Mir sind da Reibungen und Diskussionen lieber. Und Brutalität, im ehrlichen Sinn. Auch die gehört zu Kultur und guter Kunst. Wie beim Schweigen der Lämmer. 


Zur Übersicht

Folgen Sie uns

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden