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Off the Record

von Milena Krstic
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard

Milena Krstic

Milena Krstic musste sich zwischen Journalismus und Musik entscheiden - sie wählte letzteres, solo macht sie Sound als Milena Patagônia, im Duo als Cruise Ship Misery. Schreiben tut sie trotzdem weiter. Zum Beispiel off-the-record.

10.22: K schneidet unseren BelgradFilm, während ich meine Lieder zu Ende produziere. Aktuell macht mich der Pitch ganz irr. Stimmt die Tonhöhe? Sollte ich nicht noch etwas nach oben oder unten korrigieren? 8.10.22: Ich mache den letzten Schliff am neuen Cruise- Ship-Misery-Album. Das erste Mal, seit ich angefangen habe zu produzieren, erlebe ich so etwas wie einen Fluss. Ich habe lange auf diesen Zustand hingearbeitet, den Prozess nicht selten gehasst. Vor dem Fenster in unserem Studio zieht der Bach vorüber und ich gratuliere mir selbst zum Durchhaltewillen.
16.10.22: Fahre nach einem Helvetiarockt-Netzwerktreffen mit dem Zug zurück nach Bern. Vis-à-vis von mir telefoniert eine junge Frau. Zwei Typen setzen sich ins Abteil und kommentieren uns despektierlich. Da sie betrunken sind, sehe ich keine Hoffnung auf eine kon-
struktive Auseinandersetzung. Wenigstens steigen sie eine Station früher aus. Ich verschwestere mich mit meinem 
Gegenüber. Sage ihr, dass es mir leid tue, dass ich nicht für uns eingestanden sei. 4.11.22: Sitze im Studio und höre mir das erste Mal Yung Hurns «Love Hotel» an. Im ersten Track fallen mir so viele Dissonanzen auf, dass ich beschliesse, meinen Pitch-Stress gesorgt zu geben. Das Album entspannt mich, «Diamant» und «Rot» werden zu meinen Lieblingen. 5.11.22: War am Endzeit Rave im Kapitel. Alleine. Habe getanzt zu Goffbabies hartem Gabber. Es war wunderschön. Viel zu laut. Eine Elfe schenkte mir ein Haargummi, sagte: «I ha zviu. I bruche nume eis». Ich trug es um mein Handgelenk wie ein Freundschaftsbändeli. Mit Hibiskus-Eistee in der Hand tanzte ich bis Mitte Nacht; ging nachhause, schlief wie ein Stein. 28.11.22: Bereite mich auf Gigs vor, einen davon mit Steff la Cheffe im La Cappella. Zwei Charaktere dominieren meinen Zustand: Die aufgekratzte, optimistische Diva, die weiss, dass alles gut kommt. Und dann ist da ihre Antigone, die am liebsten alles hinschmeissen würde. Beide haben ihre Berechtigung, aber ich versuche, der Diva zu schmeicheln.

 

 

 


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