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Off the Record

von Till Könneker
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard

Till Könneker

Till Könneker realisiert Ideen, Konzepte, Kunst und Kulturprojekte. Er gründete den Hauptsitz im PROGR, erfand das Kultur Blind Date und die Too Late Show, 2021 rief er das Amt für Ermöglichung ins Leben, das unbürokratisch Kunst fördert. Off-the-record schreibt er über das Poten­zial von Bern und darüber hinaus.

Mich interessiert die Zukunft mehr als die Vergangenheit, das Potenzial mehr als die Versäumnisse von gestern. Doch das, was war, zeigt immer auch, was heute möglich wäre. So blicke ich zum Beispiel auf die ausklingenden 60er-Jahre, als Harald Szeeman gross und wild dachte, als dieses kleine Stadtidyll ein Kunstlabor von internationaler Bedeutung war. Christo & Jeanne-Claude verpackten die Kunsthalle, Beuys bespielte sie, Lischetti betrieb das «Laboratorium für angewandte Umweltgestaltung».
Wo stehen wir heute als Kunststadt? Fehlt es uns an Selbstbewusstsein? War die Szene offener? Vielleicht waren es ja gerade die vielen Missstände, welche die Kunst damals so dringlich machten. Ich glaube, es sind immer auch die Impulse von aussen, die lokale Kunst beleben.
Mich interessiert das, was werden könnte, was Kunst in Bezug auf die Lebensqualität in einer Stadt leisten kann, wenn sie auf fruchtbaren Boden fällt.
So entstand die Idee, das Amt für Ermöglichung zu gründen, denn wir müssen zuerst die Bedingungen für Kunst und Kultur verbessern, bevor wir immer neue Projekte entwickeln. Also Raum schaffen, Austausch fördern und unbürokratische Unterstützung bieten.
Kulturelle Bildung ist für eine Gesellschaft essenziell. Es ist wichtig, dass wir uns selbst, aber auch die Stadt, in der wir leben, immer neu wahrnehmen und hinterfragen. Auch wenn der Finger, den sie auf empfindliche Wunden legt, manchmal schmerzt, vermag Kunst auch zu heilen.
Hier hat Bern die Gelegenheit, die Probleme und Herausforderungen der Stadt auch in Zusammenarbeit mit Kunstschaffenden anzugehen. Ihr ungewohnter Blick kann helfen, Orte zu verändern, Neues zu planen und vergangene Missstände zumindest in einen verständlichen Kontext zu bringen.
Kunst hat schon immer Orte belebt und verändert, meist autonom, selten auf Augenhöhe und mit angemessener Unterstützung. Allzu oft führte dieser Prozess zu Gentrifizierung und damit zu sozialem und kulturellem Ungleich­gewicht.
Wie also erreichen wir eine neue Struktur des Dialogs? Es fängt wohl damit an, Kunstschaffende und ihr Tun nicht als Bittsteller und Nutzniesser öffentlicher Gelder zu sehen, sondern als entscheidend für gesellschaftliche Bildung, als Chance für eine zukunftsfähige und selbstbewusste Stadt.

 


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