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Off the Record

von Till Könneker
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard

Till Könneker

Till Könneker realisiert Ideen, Konzepte, Kunst und Kulturprojekte. Er gründete den Hauptsitz im PROGR, erfand das Kultur Blind Date und die Too Late Show, 2021 rief er das Amt für Ermöglichung ins Leben, das unbürokratisch Kunst fördert. Off-the-record schreibt er über das Poten­zial von Bern und darüber hinaus.

Bern ist klein, der Raum ist knapp –und doch gibt es mitten in der Stadt erstaunlich viele Möglichkeiten für neue Lebensräume. Die Fläche zwischen Eisenbahnviadukt und Lorrainebrücke zum Beispiel ist eine Brache, obwohl sie zentral und exponiert ge­legen ist. Sie bildet einen der ersten Eindrücke, wenn man mit dem Zug in Bern einfährt. An diesem vergessenen Hang, wo jetzt nur Dickicht wuchert und ein paar Bäume stehen, Abfall herumliegt und wohin sich kaum jemand wagt, könnte mit verhältnismässig wenig Aufwand ein – in Bern einmaliger – Uferpark entstehen. Nur das Gestrüpp und die vielen jungen Bäume müssten weichen, die grossen Bäume könnten in den Park integriert werden. Das steile Gelände könnte mit breiten Stufen und verschiedenen Plateaus versehen werden, Bäume und Rasenflächen vom Stadtniveau bis hinunter zur Aare würden vielfältige Möglichkeiten zum Verweilen bieten. Denkbar wäre auch eine Fussgängerbrücke zum anderen Ufer, über den Fluss. Die gegenüberliegenden Hänge würden sich so zu einem einzigartigen Aarepark vereinen und das Bild der Stadt prägen.

In Berlin hat das Projekt «Tempelhofer Feld» gezeigt, wie wenig nötig ist, um ein brachliegendes Gelände in einen Freizeitort zu verwandeln und wie wichtig dabei die Beteiligung der Öffentlichkeit ist. Auch in Bern können solche Projekte an Akzeptanz und Kreativität gewinnen, wenn die Stadtverwaltung vermehrt mit der Bevölkerung zusammenspannt: Alle packen an, tragen Verantwortung und bekommen so einen persönlichen Bezug zu dem Geschaffenen.

Unsere Bären haben ihren zentralen Park an der Aare schon erhalten, und viele Erfahrungen konnten gesammelt werden, was die Transformation des Aarehangs in eine Parkanlage angeht. Dieses Wissen kann nun für den «Menschenpark» genutzt werden.

Im Zentrum von Bern gibt es einige ungenutzte Flächen, welche wir mit überschaubarem Aufwand beleben und verschönern könnten. Eine partizipative Stadtentwicklung wäre ein viel­versprechendes Vorgehen, um solche Projekte schnell und kosteneffizient umzusetzen.

Schnapsidee? Zu aufwändig? Dann könnten wir doch wenigstens einige Strassen zu Parks machen und der Hitze etwas Natur entgegenstellen. Das wäre nun wirklich ein Kinderspiel.

Illustration: Olivia von Wattenwyl, Black­yard


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