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Off the Record

von Jeannette Wolf
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard

Jeannette Wolf

Jeannette Wolf macht kleine Hörstücke, moderiert und ist nach wie vor hinter der Bar vom Kino Rex anzutreffen. Was die Wahlbernerin aus Hamburg vom Kulturleben so aufschnappt, teilt sie off-the-record mit den Leser*innen der BKA.

Bonjour, werte Kulturschaffende Berns. Seid ihr gerade in einer Schaffenskrise, wartet auf eine Eingebung oder vielleicht auf den positiven Bescheid eurer letzten Förderungs-Eingabe?

Ich hätte da eine Idee: Bewerbt euch als Lehrkraft, als Logopäd*in, in der Pflege, in der Psychiatrie, beim Bau, als Küchenchefs oder bei der Luftfahrt. Das sind nur einige Sparten, in denen notorischer Fachkräftemangel herrscht. Äh ja, solche Fachkräfte seid ihr natürlich nicht, aber von euch gibt’s wenigstens genug. Macht eine Kurzausbildung im jeweiligen Bereich und los geht’s mit dem Quereinstieg!

Flexibel seid ihr ja, offen, neugierig und schlau. So arbeitet ihr Teilzeit in einem richtigen Beruf, verdient mal ordentliches Geld und bekommt frei Haus Inspiration für die Kunst, euer eigentliches Fachgebiet. Bonuspunkt: Die jeweilige Sparte wird noch aufgemischt durch eure Kreativität. Am Krankenhausbett weckt ihr Jazzmusiker*innen uns swingend aus dem Koma und auf der Baustelle zieht ihr Tänzer*innen schräge, wellenförmige Mauern so hoch, dass Hundertwasser seine Freude hätte.

Spass beiseite – wobei nicht ganz: Ein Grossteil meiner Künstler*innenfreunde lebt genau so: Geld verdienen im Brotjob und die «Kunst» läuft nebenbei, mit Glück 50/50. Dabei wäre es doch eigentlich gar keine so schlechte Idee, für mehr Durchmischung in den Berufen und damit auch in der Gesellschaft zu sorgen: Ein*e gelernte Flugbegleiter*in wäre z. B. auch am Theater tätig, ein*e Filmemacher*in auch auf dem Bau. Handwerk-, Wissenschaft- und Kunst-Crossover. Stichwort Abwechslung.  So würden die berühmten «Fachkräfte» vielleicht nicht mehr scharenweise ausbrennen und aus ihren Jobs flüchten, der Fachkräfte-Nachwuchs wäre wieder gesichert, und die sinnkrisengeplagten Künstler*innen kämen erst gar nicht ins Grübeln – und hätten ein Auskommen.

Voraussetzung dafür wären natürlich entsprechend angepasste Arbeitsbedingungen: genügend Anerkennung, geringere Pensen, flexiblere Arbeitszeiten, ausreichende Bezahlung. Ein Traum?

Illustration: Olivia von Wattenwyl, Blackyard


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