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Off the Record

von Jeannette Wolf
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard

Jeannette Wolf

Jeannette Wolf macht kleine Hörstücke, moderiert und ist nach wie vor hinter der Bar vom Kino Rex anzutreffen. Was die Wahlbernerin aus Hamburg vom Kulturleben so aufschnappt, teilt sie off-the-record mit den Leser*innen der BKA.

Ich freue mich, dass ihr Berner*innen euch wieder zahlreich in die «Kulturtempel» traut. So zumindest beim Kälteeinbruch mit Schneegestöber neulich: «Mein» Kino war seit Langem mal wieder so richtig «Full House» bei gleich mehreren Vorstellungen. Eine davon war sogar meine eigene. Frau Wolf hat sich nämlich entschieden, die Barleitung im Rex abzugeben. Der Abschied und die Übergabe an die Nachfolgerin mussten gefeiert werden. Natürlich gehört in der Schweiz zu jeder Feier ein «Apéro». Unzählige davon habe ich in den letzten gut sechs Jahren im Rex gemacht.

Es hat was Schönes und Geselliges, mit einem Glas und Häppchen einen Anlass zu umkränzen – wenn man mitfeiern kann. Aber aus der Produktionsperspektive in der Küche war es ab und zu wie eine Serienveranstaltung draussen im Foyer. Ob Verabschiedungen, Vorstandsfeiern, Geburtstage, Filmpremieren, Buchvernissagen: Hauptsache, die Canapés waren rechtzeitig parat, das Apérogebäck aufgestellt und der Wein eingeschenkt.

Diesmal war es also mein eigener Apéro. Ich streifte meine Schürze ab, zog die Lippen nach und wechselte auf die andere Seite des Tresens. Es gab bewegende Worte und Blumen für mich. Die Leutchen schoben sich in den Saal. Und nun stand ich da auf der Bühne und hielt eine Rede, mit 48 Jahren zum ersten Mal, potz!

Mein anschliessender Wunschfilm wurde auch nicht zum Desaster! Weiss man, ob einem der 22 Jahre zuvor in einem kleinen Hamburger Kino wiederholt gesehene Streifen heute noch gefällt? Und gar einem Publikum, mit dem man ihn gemeinsam schaut? Wir blieben alle bis zum Schluss von «The Nine Lives of Tomas Katz». Was schon mal als Zeichen von keiner Lebenszeitverschwendung zu werten ist. Danach ging ich raus in den Schnee und sah auf der Filmankündigungsleuchttafel «Merci Jeannette» stehen. Das erste Tränchen des Abends kullerte. Merci Kino Rex, du wunderbarer Ort!

P.S. Vergesst beim «After-Work-Apéro» in der bald wieder wärmer werdenden Abendsonne nicht, dass die Kinos, Clubs und Theater weiter veranstalten!

Illustration: Olivia von Wattenwyl, Blackyard


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