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Thierry Gnahoré alias Nativ: «Ich finde es arrogant, wenn man als Neuling sagt: Das ist meine Musik, bezahlt dafür.»© Tim Dürig
Dachstock der Reitschule, Bern

Tiefer gehende Tracks

Die neuen Sterne am Berner Raphimmel heissen S.O.S. Die vierköpfige Crew bringt ihr junges Konzertpublikum zum Toben. Im Dachstock taufen sie ihre neuen Platten – Nativ ist einer der beiden Rapper der Gruppe.

Die Songs, die von ihrem Publikum am meisten gefeiert werden, sind die wilden Tracks mit Trap-Beats, ein durch schleppende Bassdrums und schnelle Hi-Hats geprägtes Subgenre des Hip-Hop. Der hochgewachsene 23-jährige Berner Rapper Thierry Gnahoré alias Nativ wirkt im Gespräch, anders als auf der Bühne, eher ruhig. Er würde S.O.S. (Saviours of Soul) nicht als Trap-Gruppe bezeichnen und findet es etwas schade, dass gerade diese Tracks so gut ankommen, wie er sagt. «Sie haben zwar eine Botschaft, sind aber im Verhältnis zu den anderen relativ oberflächlich und eingängig. Wir haben Stücke, die viel tiefer gehen.» Tatsächlich produzieren S.O.S. nicht reine Partymusik, die Texte auf Mundart mit englischen Einschüben sind grösstenteils gesellschaftskritisch und reflektiert.

Bei vielen Songs erinnert der Beat an Oldschool-Hip-Hop. Nativ will seine Musik nicht in eine Genre-Schublade stecken lassen und sagt: «Wir machen einfach Musik. Es kann sein, dass ich morgen einen Salsa-Track aufnehme, nur weil ich Bock darauf habe.»

«Wollen den Leuten etwas geben»

Die S.O.S.-Rapper Nativ und Dawill veröffentlichten vor Kurzem je ein Album, beide kann man gratis im Internet beziehen, erschienen sind sie im eigenen Label Hrdrec. «Ich finde es arrogant, wenn man als Neuling sagt: Das ist meine Musik, bezahlt dafür. In erster Linie wollen wir den Leuten etwas geben», so Nativ. Es sei nie ihr Anspruch gewesen, mit ihrer Musik Geld zu machen. Die Einnahmen aus Konzerten investierten S.O.S. direkt in die Produktion ihrer Alben.

New York ruft

Nativ hat von der Stadt Bern eines von zwei Künstlerstipendien für einen halbjährigen Aufenthalt in New York erhalten, das er im Februar antritt. Die Zeit dort wolle er vor allem nutzen, um sich musikalisch und persönlich weiter­zuentwickeln. «New York ist der Ursprung des Hip-Hop. Es ist die Quelle dessen, was ich machen will.» Vor der Abreise wollen sie mit der Plattentaufe im Dachstock «das, was in den letzten 15 Monaten alles passiert ist, zelebrieren», sagt Nativ.

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