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Für Jaimie Branch ist Wut die Triebfeder. © Peter Gannushkin
Le Singe, Biel

Sie verschafft sich Luft

Die betörende amerikanische Trompeterin Jaimie Branch hat in der Musik ihre Heimat gefunden – ihre Stimme setzt sie ein gegen Rassismus und Ungerechtigkeit. Zu hören 
im Le Singe.

Das Album «Fly or Die II» beginnt scheinbar sanft, bedeutet aber nur die Ruhe vor dem Sturm. Auf dem zweiten Stück gibt Jaimie Branch gleich den politischen Ton an. Im fast 12-minütigen «Prayer for Amerikkka» verschafft sie ihrer geballten Wut und Frustration über die politische Situation in ihrem Heimatland mit Trompete und Gesang Luft: «We got a bunch of wide-eyed racists! – And they think they run this shit.» Sie hat genug vom Rassismus und Sexismus und die Musik ist ihre Waffe und Rettung. «Der Spiegel» bezeichnete die Trompeterin und Komponistin aus Chicago «Punk-Priesterin des Jazz» und tatsächlich hat ihr Spiel viel von einer Rebellin. Sie kann aber auch ganz sanft sein, etwa im unbeschwerten «Simple Silver Surfer» oder fast schon humorvoll auf dem Stück «Love Song», das sie allen «Arschlöchern und Clowns da draussen» widmet.

 

Über alle Ausbrüche hinweg

Eine harte Kindheit und spätere Drogenabhängigkeit hat Branch geprägt und zur Aussenseiterin geformt. Wenn sie nicht Musikerin geworden wäre, wäre sie wohl Kriminelle, sagt sie in einem Videoporträt. Im Free Jazz, in der Improvisation hat sie eine Heimat gefunden. Ihr Trompetenspiel ist betörend, abenteuerlich und lustvoll. Ihre grossartige Band – Lester St. Louis (Cello), Jason Ajemian (Bass) und Chad Taylor (Schlagzeug) – trägt sie über alle Zweifel und Ausbrüche hinweg.

Hundegeheul geht auf ihren Stücken in Publikumsjubeln über – das Cello klingt wie ein bedrohlicher Vogelschwarm: Ihre Musik kennt keine Genre- oder Stilgrenzen. Als Vorbilder nannte sie in einem Interview so unterschiedliche Künstler wie Thelonious Monk, Hunter S. Thompson, Wu-Tang Clan oder Basquiat: Bei diesen Querschlägern ist sie in perfekter Gesellschaft.

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