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Aho Ssan bringt sein dystopisches Universum in den Hinterhof der Dampfzentrale.© Marvin Jouglineu
Dampfzentrale, Bern

Röhren, Tunnel, Synapsen

Irgendwo zwischen Kopf und Körper angesiedelt sind die subversiven Sounds der elek­tronischen Avantgarde, die am «Microfestival» «Aether – a transcendental waveform market» im Hinterhof der Dampfzentrale zu hören und erleben ist. Aether – so nennt sich der nicht fass­bare, nicht spürbare Träger von Bewegung und Licht im Raum –, ein Kryp­tomaterial, mehr Metaphysik als Physik, geheimnisvoll, aber alles durchdringend. «Aether» ist auch der Name des zweitägigen «Microfestivals» im Hinterhof der Dampfzentrale, das experimentelle elektronische Musik jenseits gängiger und eingängiger Clubkultur präsentiert. Wie und ob zum subversiven Sound getanzt wird, ist offen: «Ich bin gespannt auf den Livemoment und darauf, wie die Anwesenden und ihre Körper auf die Acts reagieren – zumal nun auch eine lange Zeit ohne Konzerte hinter uns liegt», sagt Till Hillbrecht, der die dritte Ausgabe des Festivals in Folge programmierte.

Gebrochene Harmonie und Dystopie

Der Luzerner Künstler und Produzent Samuel Savenberg alias SSSS, der sich zwischen Techno, Ambient und Industrial bewegt, ist ebenso im Line-up vertreten wie internationale Namen. So etwa die Produzentin und Künstlerin Ziúr, die sich am Rand der Berliner Clubszene bewegt und von dort die elektronische Avantgarde vorantreibt. Ihre Sets sind Klangwagnisse, «Antifate» heisst ihr neuestes 
Album aus dem Jahr 2021, das zwischen Eruption und Meditation, synthetischer Verzerrung und Verschleppung, Körper und Geist flottiert und Irritation und Euphorie in einem erzeugt. Pianoklänge treffen auf Beatkaskaden treffen auf geschredderte Melodiesequenzen treffen auf industriell-artifizielle Geräusche, die wenig später von gespenstisch-hymnischen Klängen aufgesaugt werden. Woher das Gute kommt und wo das Bedrohliche beginnt, ist schwer zu sagen.

Zwischen gebrochener Harmonie und Dystopie bewegt sich auch das akustische Universum des noch wenig bekannten Aho Ssan. Der Franzose bricht nicht nur mit der Bassline, sondern löst gleich auch noch die Struktur Album – Track auf.

Mental-viszerale Reise

Sein eher düsteres Album «Simulacrum» erzeugt den Eindruck, auf einer mental-viszeralen Reise zu sein, durch Röhren, Leitungen, Tunnel, Synapsen immer tiefer ins Unbewusste zu dringen. Wohin Aho Ssan und die anderen Acts das Publikum an ihren Live-Auftritten transportieren, weiss auch Hillbrecht nicht: «Im letzten Jahr konnten wir uns nur an den Veröffentlichungen der Künstler:innen orientieren, ob sie live genau so klingen oder etwas ganz anderes machen, wird sich zeigen.»

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