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Droujelub Yanakiew dirigiert, komponiert und spielt in der «Traumfabrik» Variaton. © ZVG
Grosse Halle der Reitschule, Bern

Maestro des Tagebuchs

Fünfzehn musikalische Geschichten wie Notizen «Aus dem Tagebuch»: Das Variaton Projektorchester spielt unter der Leitung von Droujelub Yanakiew auch mit den Grenzen des Orchesters. Zu sehen und hören in der Grossen Halle. Durch die offene Türe der Aula
des Munziger-Schulhauses klingen Tuba, Geige und Klarinette: Das Projekt-orchester Variaton probt für das anstehende Konzert. Droujelub Yanakiew, der künstlerische Leiter, nimmt sich in der Pause Zeit, um mit der Berner Kulturagenda über das neuste Projekt «Aus dem Tagebuch» zu sprechen. Sonst jeweils in der Dampf-zentrale zu Gast, wird er mit den Musiker*innen erstmals in der Grossen Halle spielen – eine Herausforderung: «Ich habe Respekt davor. Die Akustik soll nicht ganz einfach sein.» Doch der Dirigent und Geiger gibt sich gelassen: «Überraschungen machen das Projekt lebendig.»

Projekte aus der Traumfabrik

Mehr als zehn Projekte hat Yanakiew mit dem Projektorchester Variaton bereits realisiert und dabei immer wieder die Grenzen eines konventionellen Sinfonieorchesters ausgelotet.So entstanden etwa bereits Koopera-tionen mit dem Tanzkollektiv T42 Dance Projects oder mit dem Berner Cartoonisten Adrian Zahn. Die Möglichkeiten sind noch nicht ausgeschöpft, dies wird im Gespräch mit Yanakiew klar: «Ich habe sehr viele Ideen. Spartenübergreifende Projekte mit Performance, Tanz oder Visuals, aber auch mit unterschiedlichen Musik-stilrichtungen.» Auf die Frage, was für ihn die Arbeit mit Variaton be-sonders mache, meint er: «Ich habe Variaton schon als eine Traumfabrik bezeichnet. Keine zwei Projekte, die gleich sind.»
Für sein neustes, «Aus dem Tagebuch», hat Yanakiew den Komponisten und Jazz-Schlagzeuger Nicolas Bianco sowie den Kontrabassisten Matteo -Burci angefragt, der sowohl im Jazz als auch in der Klassik zu Hause ist.

Offenheit und Spielfreude

Burci und Bianco, die kürzlich noch zusammen mit den Swiss Jazz Ambassadors am Internationalen Jazzfestival Bern spielten, bringen die nötige Offenheit und Freude am Spiel mit. Er freut sich, dem jungen Komponisten Bianco eine Bühne bieten zu können: «Ich wollte für dieses Projekt Jazz oder schon fast Minimal – Bianco bringt mit seinen Kompositionen genau diese Elemente rein», so Yanakiew.

Der Abend liefert denn auch eine bunte Mischung aus fünfzehn Stücken, die das musikalische Schaffen von der Romantik über das 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart aufgreifen: mit Werken von Tschaikowski und Schostakowitsch bis hin zu Kompositionen von Bianco – oder Yanakiew selbst. So ist für ihn wichtig, frühere Komponisten nicht nur zu interpretieren: «Ich möchte gerne in einen Dialog mit ihnen treten.» Dazu hat nicht nur Bianco, sondern auch er selber eigens Stücke komponiert.
In der zweiten Hälfte des Abends erwartet die Zuschauer*innen mit «Impro of the Day» ausserdem eine kleine Überraschung, wenn die drei – Bianco, Burci und Yanakiew – im Trio spielen.

Kaffee und Zigaretten

Die Idee für das neuste Projekt «Aus dem Tagebuch» hat Yanakiew aus dem Film «Coffee and Cigarettes» von Jim Jarmusch. «Zwei Typen trinken Kaffee und rauchen Zigaretten – fünfzehn Mal die gleiche Geschichte, und sie ist jedes Mal komplett anders.» Ähnlich sei es Yanakiew auch ergangen, als er in der Grossen Halle war, um sich vom Saal inspirieren zu lassen. «Es gab dort viele Graffiti, die eigentlich keinen Zusammenhang hatten. Meine Fantasie begann zu jedem Graffiti eine Geschichte zu entwickeln. Es kam mir vor wie ein Tagebuch: immer die gleiche Form, aber jede Notiz führt in eine andere Richtung.»

 

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