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Eddie Cotton Jr.: «Wenn ich spiele, wirst du dich bewegen.» © Nineke Loedeman BluesMagazin.nl
Diverse Orte, Bern

«Kein Stillsitz-Blues»

Geschmeidiger Jazz, Blues und Soul: Das 43. Internationale Jazzfestival Bern bietet Wiederbegegnungen und Neuentdeckungen. Im Zentrum steht die Tradition.

Auf die Frage, ob das Jazzfestival Bern sich der Tradition verpflichtet fühle, antwortete Co-Leiter Benny Zurbrügg letztes Jahr im Interview mit der Berner Kulturagenda: «Wir definieren uns in dem Umfeld, in dem wir seit Jahrzehnten veranstalten. Für uns ist dies der Jazz, der sich an seinen Wurzeln orientiert. Dort, wo alles angefangen hat.»

So geht es auch in der aktuellen Ausgabe dort weiter, wo im Mai 2017 alles aufgehört hat: Bei einer Auswahl prämierter Musikerinnen und Musiker, die sich dem geschmeidigen Jazz, Blues und Soul verschrieben haben. So etwa Ruthie Foster, eine Gitarristin und Sängerin aus Texas, die in ihrer Virtuosität auf der Bühne wirkt, als sei sie eine alte Bekannte, die einem eine amüsante Geschichte erzählt. Oder Eddie Cotton Jr. aus Mississippi, der ebenfalls mit E-Gitarre und Gesang den Rhythmus mit dem Blues vermählt. Cotton sagt über seinen Stil: «Wenn ich im besten Zustand spiele, dann wirst du dich bewegen. Das ist kein Stillsitz- und Schau-mich-an-Blues.»

Politisch charmant

Eine, die mit ihrer Stimme sämtliche Oberflächlichkeiten wegzufegen vermag, ist die junge Amerikanerin Cécile McLorin Salvant. Eben erst hat sie mit dem aktuellen Album «Dreams and Daggers» in der Sparte Best Vocal Jazz Album ihren zweiten Grammy Award gewonnen und ist – wie letztes Jahr – Gast in Bern. Darauf singt sie alte Jazzklassiker wie «Devil May Care» und das leichtfüssige, gleichzeitig hochpolitische «Si J’étais blanche» aus den 30er-Jahren, das im Original von Joséphine Baker interpretiert wurde. Joey DeFrancesco an der Hammond Orgel eröffnet das Festival im Zusammenspiel mit dem Swiss Jazz Orchestra.

Natürlich lässt sich der Jazz­festival-Organisation Traditionssturheit vorwerfen. Aber der Frauenanteil stimmt für einmal und das künstlerisch hochwertige Programm verdient Beach­-
tung – denn ohne Tradition kein Experiment. Und umgekehrt.

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