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Alles übers Ohr: Julian Sartorius© Tabea Reusser

«Ich liebe den rohen, satten Sound»

Er trommelt sich um die Welt, tüftelt an Klang, Farbe und Rhythmus. Schlagzeuger und Improvisationskünstler Julian Sartorius’ Diskografie ist lang: Er arbeitet als Solist, als Studiomusiker und ist in diverse Bandprojekte involviert. Nun entsteht ein neues Experiment: ein Album auf Zeit.

Julian Sartorius, unter dem Namen «Beat Tapes» veröffentlichen Sie ein Album als Serie, jeden Monat erscheinen vier bis sechs neue Tracks. Wie kam es dazu?
Es ist eine Lockdown-Idee, als ich als Musiker keine Konzerte spielen konnte und Veröffentlichungen von Alben, an denen ich beteiligt war, auf später verschoben wurden. Auf allen Onlinekanälen ploppten auf einmal gratis Livemusikdarbietungen und Streamings auf, da hab ich mir halt überlegt, wie man das auch noch anders machen könnte.

Indem man ein Album im Abo anbietet?
Genau. Auf meiner Bandcamp-Seite kann man sich registrieren und erhält dann exklusiv und nur als Abonnentin, als Abonnent monatlich für vier Euro neue Stücke. Man kann sich jederzeit anmelden und jeden Monat kündigen.

Nun ist das Wort «Album» vielleicht etwas irreführend, da ja nicht ein klassisch geschlossenes Werk mit zwölf Titeln oder so geplant ist. Wie lange ist die Serie denn angedacht?
Ich möchte die Serie bewusst offen laufen lassen. Einige Monate, vielleicht Jahre? Das Album soll stetig wachsen und sich entwickeln. Es sind keine Archivstücke, sondern immer frisch komponierte und aufgenommene. Vielleicht entsteht ja daraus mal was Physisches. Ein Mehrteiler. Oder eine kleine Auswahl. Jetzt bin ich, zusammen mit meinen ersten fünf Abonnenten, noch ganz am Anfang. Es ist ein Experiment.

Sie experimentieren ja auch sonst gerne, mit Instrumenten beispielsweise …
… oder mit Aufnahmeformen, ja.

Sie haben sich auf akustische Instrumente spezialisiert. Für «Beat Tapes» haben Sie sich nun an die Drummachine gewagt.
Ich habe schon länger damit getüftelt, wollte aber vorsichtig sein mit elektronischen Beats. Mir ist es wichtig, dass die Sounds präzise ausgearbeitet sind. Ein Ziel von «Beat Tapes» ist, dass Akustik und Elektronik eine Gleichwertigkeit bekommen. Dass ich auf eine Ebene komme, wo sich beide so vermischen, dass man gar nicht mehr merkt, was jetzt was ist. Ich bin stets auf Klangsuche.

Auch bei der Aufnahmeform.
Wie der Name «Beat Tapes» ja erahnen lässt, spiele ich die Tracks analog auf Kassette ein und digitalisiere nur das fertige Stück. Ich liebe den rohen, satten Sound. Und was cool ist: Ich arbeite so ohne Bildschirm. Alles geht übers Ohr und nichts übers Auge. Ich muss im Moment der Aufnahme genau abliefern, kann nicht später einfach eine Tonspur austauschen oder Schläge editieren.

Kommt das gar einem Konzertmoment nahe?
Zumindest viel näher als die digitale Studioarbeit, ja, da ich eben nicht beliebig Spuren aufnehmen kann und die Mittel begrenzt sind. Man sitzt hin, spielt und fängt so die Rohheit und Lebendigkeit eines einzelnen Momentes ein. Das ist auch «Beat Tapes». Eine Momentaufnahme.

www.juliansartorius.bandcamp.com
www.juliansartorius.com

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