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Gähwiler ist der Neue, Heimann und Pergoletti haben die Strukturen neu gedacht.© Chrigel Dietrich
Turnhalle im Progr, Bern

Flache Hierarchie und steile Pläne

Der Konzertverein bee-flat ist im Wandel: Die BKA traf die Leitungsmitglieder Lea Heimann, Lula Pergoletti und den Neuzuwachs Matthias Gähwiler zum Gespräch über neue Betriebsformen und Visionen für die Zukunft.

Vor 20 Jahren fand das erste Konzert auf einer improvisierten Bühne im ­Restaurant Sous Le Pont statt. Heute hat sich bee-flat als renommierte Bühne der europäischen Musikszene etabliert. Heuer wurde die künstlerische Leitung des Konzertveranstalters in eine neue Leitungsform transferiert: Mit den bereits erfahrenen bee-flat-Mitarbeiterinnen Lea Heimann und Lula Per­go­letti ist Matthias Gähwiler seit Anfang Oktober Teil des neuen Leitungsteams.

Gähwiler, der davor bei den SBB und dem Kanton Bern als Berater im Bereich «Diversity and Inclusion» tätig war, bringt langjährige Erfahrung in der Organisation von Musikevents mit. Der Musikproduzent hat das Berner Label für elektronische Musik «Tiefgang Recordings» mit ins Leben gerufen.

Kollektivartige Strukturen

Weiterhin wird sich Heimann mit ihrer langjährigen Erfahrung und einem breiten Netzwerk in erster Linie um Booking, Vermittlung und Fundraising kümmern. Aber auch Gähwiler, der die Mitgliederbetreuung sowie die Neukonzeption der Freiwilligenstrukturen übernimmt, und die seit drei Jahren in der bee-flat-Kommunikation tätige Pergoletti sind projektbezogen daran beteiligt.

«Unser Leitungsteam funktioniert wie ein Kollektiv mit klaren Kompetenzbereichen», erzählt Pergoletti, die auch für die «BKA»

schreibt. Sie tauschen sich trotz unterschiedlichen Pensen regelmässig aus, sodass alle hinter dem Programm stehen können. «Wir wollen den Betrieb gemeinsam weiterdenken.»

In einem Betriebsmanifest haben Pergoletti und Heimann festgehalten, wie das ganze Team zukünftig zusammenarbeitet. Zeitgleich wurden neue Visionen für die musikalische Ausrichtung als «Music Manifest» geschaffen. «Ich bin extrem stolz, wie sich bee-flat in den vergangenen Monaten bis in den letzten DNA-Strang reflektiert hat und wichtige Veränderungen angegangen wurden», sagt Heimann.

Als der Konzertbetrieb durch die Coronapandemie im letzten Jahr quasi stillstand, widmeten sich Heimann und Pergoletti strategischen Überlegungen. Ausgelöst durch eine breite Umfrage, die der Verein Anfang 2020 durchführte, entstand der Anspruch, das bee-flat-Profil zu schärfen.

Stillstand? Loslegen!

Dieser Veränderungswunsch fiel auf geplante Neuerungen in der Organisationsform des Progr, etwa die, dass die Stiftung den Gastrobereich, die jetzige Turnhalle, ab 2023 selbst betreiben wird. Bee-flat bleibt Partner der Stiftung und wird weiterhin eng mit ihr zusammenarbeiten. Arnaud Di Clemente, der die künstlerische Leitung fünf Jahre lang innehatte, trat im Juni zurück und sagte gegenüber dem «Bund», er fühle sich für diese Veränderungen «nicht prädestiniert». Und so war es an Heimann und Pergoletti, zu überlegen, wie sie den Betrieb weiterorganisieren wollten. Eine riesige Chance, die viel Engagement erforderte.

Ihr habe der Kopf geraucht, erzählt Heimann über den Anfang der Evaluationen. Bee-flat sei ja eine alte, etablierte Dame. «Vieles ist verwurzelt und hat eine wahnsinnige Qualität. Zu dieser wollen wir natürlich weiterhin Sorge tragen.»

Was macht Sinn? Wo sollten wir Anpassungen vornehmen? Wo stehen wir zu unseren Werten? Solchen Fragen sind die beiden nachgegangen und haben ihre Visionen zunehmend nach aussen getragen. Dabei standen sie in engem Austausch mit ihrer Crew, Institutionen wie «Helvetia Rockt», Musiker*innen oder Forscher*innen im Bereich Gleichberechtigung, Diversität und Inklusion. Inspiriert vom Modell zur «Soziokratie 3.0» entstand daraus eine Betriebsstruktur, die das Know-How der Mitarbeiter*innen besser einbindet.

«Genrefluidität» stehe beim Booking vermehrt im Vordergrund. Für die Dringlichkeit eines Acts gehe es neben der Qualität der Musik vermehrt auch um gesellschafts- und kulturpolitische Aspekte. «In Zukunft soll es mehr Raum für musikalische Forschung und inspirierende Kooperationen, wie etwa mit dem Norient Film Festival, geben», so Heimann.

Ökologisches Booking und Macht

Ein Thema, welches im «Music Mani­fest» angesprochen wird, ist etwa das ökologische Booking. «Braucht eine Band einen Riesen-Bus mit eigener Bühnen- und Tontechnik oder ist sie mit dem Zug unterwegs und kann auf ausgestatteten Bühnen auftreten?», fasst Gähwiler zusammen. Dabei gelte es auch die Flugrouten der Bands anzusehen und geografisch sinnvolle Bookings vorzuziehen.

Weil solche Fragen alle Veranstalter*innen etwas angehen, organisiert Heimann gemeinsam mit dem Verein «Vert le Futur» eine Podiumsdiskussion im SoSo-Space: Sie wird die erste einer voraussichtlich dreiteiligen Serie sein, welche an verschiedenen Standorten Themen wie «Ökologische Nach­haltigkeit – Macht im Musikbusiness» und «Diversität» beleuchtet.

Durch inkludierende Ansätze im Team, auf der Bühne und bei den Helfer*innen will bee-flat ein offener Ort sein, der Raum bietet für Menschen mit verschiedensten Hintergründen. Das Team wird im Bereich Diversität und Inklusion von der Berliner Firma «akoma» beraten, die auch das Künstler*innenhaus Gessnerallee in Zürich betreute. «Mit all diesen Entwicklungen befinden wir uns auf einem spannenden Weg», freut sich das Trio.

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