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Christine Wyss: «Social Distancing und Contact Tracing sind nicht kompatibel mit dem Buskers.»© ZVG

«Das Buskers ist ein Festival zum Anfassen»

Christine Wyss, Künstlerische Leiterin des Vereins Buskers Bern sagt, wie es sich anfühlt, dass das «hautnahe» Festival mit den auf spontanen Erlebnissen basierenden Darbietungen in diesem Jahr nicht stattfindet und was sie vorhat.

Christine Wyss, das Buskers Bern findet in diesem Sommer nicht statt. Sind Sie nun, als Veranstalterin, zur Langeweile gezwungen?
Sobald der Lockdown galt, traten wir auf die Bremse, um unnötige Kosten zu vermeiden. Bis zur Absage des 17. Buskers Bern, Ende April, waren wir auf Standby. Diese Wochen der Unsicherheit waren schwierig. Wir widmeten uns dem Redesign der Homepage oder Arbeiten, die sonst liegen bleiben, wie dem Aufräumen von Lager, Büro. Nach der Absage hatten wir drei intensive Wochen 
mit Kommunikation, Spendenaufruf, Buchhaltung, Planung, Zoom-Sitzungen. Die Gesuche mussten wir bis zum 20. Mai einreichen. Sich im Dschungel der Verordnungen, Vorschriften und Formulare zurechtzufinden, ist nicht einfach, umso mehr, als diese alle paar Tage ändern. Es gibt in der Tat kreativere und erfüllendere Arbeiten …

Bietet Buskers dem Publikum trotzdem etwas?
Es ist ja ein Festival zum Anfassen mit maximaler Publikumsnähe, im wahrsten Sinn des Wortes hautnah, niederschwellig, direkt, basierend auf vielen spontanen Erlebnissen – das ist unser USP. Also quasi präzis, was Covid-19 verbietet – Social Distancing und Contact Tracing sind nicht kompatibel mit Buskers Bern. Und halbe Sachen waren für uns nie eine Option. Es tut weh, aber es ist nicht machbar.

 

Wird das diesjährige Programm ein­fach auf nächstes Jahr verschoben?
Das ist eine schwierige Diskussion für alle Festivals. Das Programm 2020 hatten wir glücklicherweise noch nicht publiziert. Es wäre einerseits hart, die Gruppen, die es unter über 800 Bewerbungen endlich in dieAuswahl von 40 Acts geschafft haben, gleich doppelt zu bestrafen und nach diesem auch im nächsten Jahr nicht auftreten zu lassen. Andererseits haben wir bereits einige andere Ideen für 2021, die dann nicht Platz hätten. Und schliesslich sollte die Programmation ja auch den Zeitgeist widerspiegeln … We will see.

Kommen Sie finanziell über die Runden oder wären Sie ohne staatliche Hilfe im Minus?
Wir wären natürlich im Minus, weitere Editionen wären gefährdet. Praktisch alle unsere Einnahmen generieren wir an drei Tagen im Jahr – und diese fallen jetzt ins Wasser. Und wir arbeiten das ganze Jahr und waren nun voll in den Startlöchern. Allerdings fallen auch viele Aufwände weg. In der Schweiz sind wir in der glücklichen Lage, dass wir auf grosszügige Unterstützung zählen dürfen, insbesondere unserer Ertragspartner wie Stadt, Kanton, Regionalkonferenz, Burgergemeinde, Zünfte. Dafür sind wir dankbar. Zahlreiche Partnerfirmen und Freelancer leiden jedoch massiv. Am schwersten betroffen sind die 156 Artisten, die aus über zwanzig Nationen hätten anreisen sollen. Für sie starten wir am Tag des abgesagten Buskers Bern, also am 6. August, ein Crowdfunding. Wir sammeln online Hutgeld und leiten ihnen alles Geld direkt weiter – als kleines Zeichen der Solidarität.

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