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Die Sirens of Lesbos blicken über den Tellerrand hinaus.© Dominik Hodel

Aus der Provinz über den Horizont

«SOL» heisst das lang erwartete Debütalbum der Berner Band Sirens of Lesbos, die im Jahr 2014 einen Ibiza-Hit landete und nun mit einem Album zurückkehrt, das international ebenso gut funktionieren könnte.

«Gut Ding will Weile haben» – Dieses Sprichwort trifft auf das Debütalbum «SOL» der Band Sirens of Lesbos nur bedingt zu. Gut ist die Platte zwar, und seit der letzten EP-Veröffentlichung sind satte fünf Jahre vergangen, aufgenommen hat sie die Berner Gruppe aber beinahe in Rekordgeschwindigkeit.

Melvyn Buss, Schlagzeuger und Synthesizer-Tüftler der Band, erklärt: «Gewisse Songs sind bereits älter, also war es je nach Blickwinkel schon ein langer Prozess bis zum Album. Aber aufzunehmen ging dann doch relativ schnell, wir haben im Februar damit begonnen und wurden im Juli fertig.» Die Sängerin Nabyla Serag wirft ein, dass vor allem die Identitätsfindung lange gedauert habe. Sirens of Lesbos heisst das Projekt der fünfköpfigen Combo, angelehnt an die gefährlichen Geschöpfe aus der griechischen Mythologie, die mit ihrem bezaubernden Gesang die Seeleute an die felsige Küste lockten, wo diese Schiffbruch erlitten.

«Wir haben von Anfang an den internationalen Markt angepeilt»

Mit Identitätsfindung ist vor allem der neue Auftritt nach ihrem Hit aus dem Jahr 2014, «Long Days, Hot Nights», gemeint, der auf Spotify unglaubliche 21 Millionen Mal gehört wurde und ursprünglich aus einem Jux der beiden Band-Urgesteine Arci Friede und Melvyn Buss entstanden ist. Von den Einnahmen konnte sich die Combo ein Studio einrichten, das sie sich mit ihren guten Freunden Jeans for Jesus teilen. «Das Visuelle war uns immer wichtig. Angefangen hat es damit, dass wir möglichst nicht erkannt werden wollten, um nicht das Gesicht hinter einem Ibiza-Hit zu sein», so Serag. Der visuelle Auftritt wird kuratiert von Denise Häberli, der Art-Direktorin der Gruppe.

Ihre Musik, die sich mit einer Mischung aus R ’n’ B, Reggae, Dub, Funk, Soul und Pop stets im wohltemperierten Bereich bewegt, strahlt etwas Modernes und Internationales aus. Dank eingestreuter analoger Instrumentierung wie etwa eines Saxofons oder einer Gitarre wohnt der sonst sehr sec produzierten Platte eine wärmende Körnigkeit inne und hält die Zuhörerin mit jedem einzelnen Song auf Trab. Die Harmonien im oftmals zweistimmigen Gesang der Schwestern Nabyla und Jasmina Serag machen ihn beinahe so anziehend, wie den der Sirenen. «Wir haben von Anfang an den internationalen Markt angepeilt», sagt Nabyla Serag. Die Provinzialität Berns sei hier von Vorteil: «Ich glaube, hier schaut man viel eher über den Tellerrand hinaus als etwa in Zürich, wo man eher die Möglichkeit hat, sich ausschliesslich in seiner Blase zu bewegen. Das hat natürlich auch etwas Schönes. Doch für uns öffnete das Provinzielle den Horizont», ergänzt ihre Schwester Jasmina Serag.

Tour im Frühjahr

Die doppelbödigen Texte aus der Feder von Friede sind ein weiteres Stilmittel der Gruppe. So singen die Schwestern etwa im Stück «Two-Faced»: «You need double the toothpaste / Because you’re two-faced». Die Albumtour sei für den nächsten Frühling geplant, nun werde am Live-Auftritt gefeilt. Und wenn die Musik auf der Bühne nur annähernd so klingt wie auf der Platte, steht einem erneuten internationalen Durchbruch der Berner Band, fernab des eher in der Kategorie «nervig» einzuordnenden Ibiza-Hits, nichts mehr im Weg.

www.sirensoflesbos.bandcamp.com

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