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Die Installation «Forest Megaphones» verstärkt die Geräusche des Waldes.© Tõnu Tunnel

Wunderkammern öffnen

Im Vorfeld des Musikfestival Bern bietet der Berner Musikvermittler Tobias Reber per Videokonferenz unterhaltsame «Sprechstunden für Neue Musik» an.

Der Notentext der Komposition «In C» des amerikanischen Komponisten Terry Riley aus dem Jahr 1964 besteht aus 53 kurzen musikalischen Einheiten. Bei einer Interpretation dürfen die Ausführenden selbst entscheiden, wie oft sie diese Phrasen wiederholen und wann sie zur nächsten wechseln wollen. Da sich auf diese Weise die Motive in unzähligen Kombinationsmöglichkeiten übereinander schichten, können sowohl die Dauer als auch der Klang bei jeder neuen Durchführung stark variieren.

Die Anfänge der Minimal Music

Dieses Werk ist Ausgangspunkt der ersten «Sprechstunde für Neue Musik», die der Berner Musiker und Musikvermittler Tobias Reber unter dem Titel «Schichtungen» via Zoom durchführt. «Das Schichtungsprinzip in Rileys ‹In C› ist ein wunderbares Beispiel, um das diesjährige Motto des Musikfestival Bern zu veranschaulichen», sagt Reber. Doch das Musikstück sei auch sehr bedeutsam für die Musikgeschichte, denn es gelte als eines der ersten Werke der Minimal-Music-Strömung. Nach dem Anhören und Besprechen von verschiedenen Aufnahmen von «In C» wendet sich Reber in der kostenlosen Videokonferenz auch weiteren modernen Kompositionen und Schriften in dieser Tradition zu.

Aussergewöhnliche Klangschätze

Werke der Neuen Musik sind oftmals dissonant, arhythmisch oder geräuschartig; beim ersten Hören wirken sie vielleicht sperrig, ungemütlich, überfordernd. «Durch eine leichte und humorvoll gestaltete Vermittlung können Berührungsängste abgebaut werden», sagt Tobias Reber. Seine Online-Sprechstunden seien also keine akademischen Vorträge. Vielmehr wolle er Wunderkammern öffnen, in denen es aussergewöhnliche Klangschätze zu entdecken gibt.

So geht es in der zweiten Sprechstunde Ende Mai unter dem Titel «Klingende Welt» um verschiedene Naturaufnahmen, die als Musik präsentiert werden. Auf dieser akustischen Spurensuche führt Reber die Hörenden etwa nach Island, wo der dänische Soundkünstler Jacob Kirkegaard vulkanische Erdvibrationen in der Region rund um Krýsuvík, Geysir und Mývatn aufgezeichnet hat.

Und auch in der dritten Sprechstunde «Brüche, Störungen, Falten» Ende Juni spielt die Natur eine wichtige Rolle. «Da stelle ich Projekte vor, in denen Künstlerinnen und Künstler bestimmte Orte bespielten und mit deren spezifischen Gegebenheiten arbeiteten», kündigt Reber an. Als Beispiel eines Projekts, das spezifisch mit der Geräuschkulisse eines Waldes spielt, nennt er die akustische Installation «Forest Megaphone» – ein Architektur-Studienprojekt von Birgit Õigus im Pähni Naturpark in Estland.


«Brüche, Störungen, Falten»: 25.6., 19 Uhr. Anmeldung: t.reber@musikfestivalbern.ch

www.musikfestivalbern.ch

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