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«Komplexe gesangstechnische Kontrolle»: Lisa Läng singt die Rolle des Samuele.© Zoe Roth
Französische Kirche, Bern

Vom Nobody zum Anführer

Der Orpheus Chor führt in der Französischen Kirche zum ersten Mal in der Schweiz das Oratorium «Samuele» von Giovanni Simone Mayr auf. Die Titelpartie singt die junge Berner Sopranistin Lisa Läng.

 «Der göttliche Hauch verzehrt euch alle, ihr Gottlosen», verkündigt der Prophet Samuel im italienischsprachigen Oratorium «Samuele» des deutschen Komponisten Giovanni Simone Mayr (1763-1845). Das Werk erzählt eine kurze, aber zentrale Episode aus der Jugendzeit des Propheten. «Es wird genau der Knotenpunkt dargestellt, der den Aufstieg vom Nobody zum Anführer markiert», sagt der emeritierte Theologieprofessor und Sänger im Orpheus Chor Bern, Walter Dietrich, der die Originalhandschrift der Komposition anlässlich einer Chorreise in der Klosterbibliothek Einsiedeln entdeckt hat.

Symposium zur Figur Samuel

Es erfolgte eine umfangreiche musik­wissenschaftliche Neuaufbereitung des Quellenmaterials. In Bern steht nun die schweizerische Erstaufführung vor der Tür: Die rund 100 Sängerinnen und Sänger des Orpheus Chors, ein Gesangssolistenensemble, das Orchester Klangforum, vier Kinder der Singschule Köniz und Michaela Wendt als Erzählerin lassen unter der Leitung von Rudolf Rychard die farbenprächtige, musikalische Bilderwelt wieder aufleben. Zuvor findet ein mehrtägiges interdisziplinäres Symposium mit elf Vorträgen statt, das sowohl das Werk als auch Samuel als biblische Gestalt aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Grosse körperliche Anstrengung

«Mit schlanken, eingängigen Melodien einerseits und virtuosen, rossini­haften Belcanto-Passagen andererseits steht die Musik stilistisch zwischen der Klassik und der italienischen Romantik», sagt die Berner Sopranistin Lisa Läng, die sich der Hosenrolle des Samuele annimmt. Besonders schön findet sie das feierliche Gebet «Dio immortal, benefico» im zweiten Teil, das allerdings sehr anspruchsvoll zu singen sei: «Es ist langsam und piano, es klingt süsslich und einfach, aber in Wahrheit erfordert es eine grosse körperliche Anstrengung und eine komplexe gesangstechnische Kontrolle», so Läng. Für die Sängerin, die zurzeit den Master an der HKB absolviert, ist es das erste grosse Engagement.

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