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Brühwiler interpretiert Bernd Alois Zimmermann an der Opernwerkstatt Sigriswil.© Oliver Hochstrasser
Französische Kirche, Bern

Szenisches «Weheklagen»

In Sigriswil treffen sich jedes Jahr junge Gesangstalente in der Internationalen Opernwerkstatt. Der Zürcher Bassbariton Yves Brühwiler gewährt einen Blick hinter die Kulissen.

Programm Opernwerkstatt

Ein zweiwöchiger Aufenthalt in Sigriswil mit 17 begabten Sängerinnen und Sängern aus aller Welt – wie ist das so?
Das ist grossartig; Wir leben in verschiedenen Unterkünften in und um Sigriswil. Ich wohne beispielsweise mit dem aserbaidschanischen Bariton Gamid Abdulov und dem russischen Tenor Andrei Danilov in einem Bauernhaus bei einer total lieben Grossmutter. Hier gibt es eine herrliche Aussicht auf den Thunersee. Die allgemeine Gruppendynamik ist toll, niemand zeigt Diva-Allüren.

Wie sind die Proben gestaltet?
Die Proben finden in der Kirche und im Schulhaus Sigriswil statt. Unter der Regie von Anthony Pilavachi erarbeiten wir für die Arien und Ensembles, die wir zu Hause vorbereitet haben, ein szenisches Konzept. Das Resultat ist eine musikalisch-szenische Collage, die wir in verschiedenen Schweizer Städten präsentieren.

Welche Arie singen Sie?
Ich singe die Finalszene, die «Weheklage», der ekklesiastischen Aktion «Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne» von Bernd Alois Zimmermann aus dem Jahr 1970. Während ich die Phrase «Wehe dem, der alleine ist» rhythmisch und dynamisch frei improvisiere, spricht, flüstert oder schreit der Rest des Ensembles sprichwortartige, klagende Zitate aus der Bibel, jede und jeder in seiner Muttersprache. Diese Szene ist ein spannender Kontrast zum mehrheitlich klassischen Opernabend.

Warum haben Sie den Beruf des Sängers gewählt?
Beim Singen treffen alle Künste aufeinander. Die Musik ist schon eine reiche Welt für sich, doch bei uns kommen noch die Sprache und damit eine Geschichte dazu, Gestik und Mimik, Kostüme und Bühnenbild. In die Tiefe einer Rolle zu gehen und dabei das Publikum in eine andere Welt zu entführen und den Alltag vergessen zu lassen, das ist für mich das Grösste. Und in manchen Momenten macht es auch einfach Spass, auf der Bühne die Sau rauszulassen und eine Rolle darzustellen, die man im normalen Leben nicht ist, geschweige denn sein möchte.

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