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2016 erhielt er den Schweizer Musikpreis: Geiger Hansheinz Schneeberger.© Julien Gremaud
Berner Münster

Paganini bleibt zu Hause

Er spielte sich mit der Geige um die ganze Welt. Mit über 90 Jahren ist seine Arbeit am Instrument eine andere. Der Berner Geiger Hansheinz Schneeberger spielt im Berner Münster in der Reihe «WortKlangRäume».

Wenn er spielt, gleitet ein glänzender Schimmer über seine Haut, sein Gesicht, seine Hände. Ein glänzender Schimmer über den grossen Mann mit den noch wenigen kurzen Haaren, prägnanter Nase und Schnauz. Ein Mann, der ohne sein Instrument manchmal etwas roh und unerschrocken wirken kann. Doch stets liebevoll. Und die Geige, sie verwandelt ihn in etwas ganz Filigranes, Zerbrechliches.

 Hansheinz Schneeberger sagt über sich selbst schlicht: «Ich bin Geiger.» Dass er dabei weltweit einer der ältesten, besten, bedeutendsten und renommiertesten ist, lässt er aus. Auszeichnungen, Uraufführungen, internationale Festivals, Träger des Schweizer Musikpreises. Doch es ist diese Einwärtsdrehung des linken Armes und die Streckung derselben Hand, die ihn heute einschränken. Die typische Geigenhaltung ist für den bald 93-Jährigen anstrengend. Paganini spielt er nur noch für sich.

«Beim Geige Spielen fühle ich mich am wohlsten. Da kann ich auftanken», sagt er dennoch. Er übt noch immer jeden Tag. «So bleibe ich fit.» Denn die Finger muss man ständig trainieren. Kraft aufbauen. Gegen die Arthrose. Für die Triller.

«Musik soll auch sprachlich stimmen»

Heute liest er sich aus, wo oder mit wem er auftreten möchte. Das schaffe Raum, anders zu üben. Manchmal beschäftigt er sich stunden-, gar tagelang mit einer einzigen Phrase, will sie haargenau ausarbeiten und staunt dann über sich selbst: «Da finde ich plötzlich eine Wärme und Tiefe im Klang, dafür hatte ich früher kaum Zeit.»

Die Suche nach der richtigen Sprache werde für ihn immer wichtiger. «Musik soll nicht nur klingen, sondern auch sprachlich stimmen.» Ausdruck. Betonung. Interpunktion. «Die deutsche Musiksprache ist eine andere als die französische oder die ungarische. Daran arbeite ich.» Im Sommer nahm er einige Bartók-Stücke auf, vermeintlich leichte. Doch er arbeitete so lange daran, bis er sie fand, diese Tiefe des ungarischen Duktus.

Bartók - 1958 schon spielte der Berner die Welturaufführung des 1. Violinkonzerts. Und 1959 erwarb er seine Stradivari, die seit letztem Sommer gar nach ihm benannt ist - ein Ritterschlag sei das, die Stimme lächelt kurz schüchtern.

«Membrane» mit Schneeberger und dem Lyriker Raphael Urweider in der Reihe «WortKlangRäume» zum Thema «Durchsichtig».

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