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Führen barocke Kompositionen historisch auf: Voces Suaves.© Markus Raeber
Orangerie Elfenau, Bern

Musikalisches Rewriting

Alte Musik für die Gegenwart: Tenor Dan Dunkelblum vom Vokalensemble Voces Suaves bringt mit «Verwandelte Madrigale» ein barockes Programm in die Elfenau.

Neuer Text, gleiche Musik: Die Praxis der Kontrafaktur, also das Umschreiben bestehender Gesänge, war in der Renaissance und in der Epoche des Barock gang und gäbe. Der italienische Musiker und Lyriker Aquilino Coppini etwa versah ganze Sammlungen von italienischen Madrigalen, also weltlichen Vokalkompositionen, von Claudio Monteverdi mit lateinischen, geistlichen Inhalten. Aus der Phrase «Ahi bocca, ahi baci, ahi lingua!» (Oh Mund, oh Küsse, oh Zunge!) im Madrigal «Si, ch’io vorrei morire» wurde so beispielsweise «O Jesu, lux mea, spes mea» (O Jesus, mein Licht, meine Hoffnung). «Die Vergeistlichung von Musik mit solch hocherotischen Inhalten war in der damaligen Zeit ein gewagtes Unterfangen», sagt der israelische Tenor Dan Dunkelblum. Er hat das Programm «Verwandelte Madrigale» konzipiert, welches das Vokalensemble Voces Suaves aus Basel zusammen mit einem Instrumentaltrio aus Theorbe, Gambe und Orgel in der Orangerie Elfenau präsentiert. Neben beiden Fassungen von «Si, ch’io vorrei morire» führen die neun Musikerinnen und Musiker noch sechs weitere Kontra­fakturen sowie je drei Original-Madrigale und Motetten von Claudio Monteverdi auf.

Revoluzzer Monteverdi

Zwischen den Gesangsstücken erklingen instrumentale Intermezzi: zwei Partiten über das Volkslied «L’Aria di Monica». Die erste Reihe von Variatonen schrieb der Komponist des Frühbarock Girolamo Frescobaldi, die andere ist eine Neuschöpfung des auftretenden Theorbisten Orí Harmelin.

So wie die meisten Sängerinnen und Sänger von Voces Suaves erlangte auch Dan Dunkelblum seinen Masterabschluss an der Schola Cantorum 
Basilensis, der Schweizer Hochschule für Alte Musik. Bei der Erarbeitung 
eines Repertoires, das auf die 
Vokalmusik der Renaissance und des 
Barock fokussiert, nehme Claudio Monteverdi einen zentralen Platz ein, sagt Dunkelblum, er habe die Musik zu Beginn des 17. Jahrhunderts wie kein anderer revolutioniert.

So sei der italienische Komponist ein Meister darin, Affekte mit schlichten, aber effektvollen musikalischen Mitteln auszudeuten. Und da es oft um universelle Gefühle wie Liebe, Trauer oder Sehnsucht gehe, seien die Werke auch noch heute relevant. Bei seiner historischen Aufführungspraxis achte das Vokalensemble besonders auf ein «Singen mit Bewusstheit», so Dunkel­blum: «Indem wir wach und aufmerksam die Energie der anderen spüren, entsteht die intensivste Emotionalität.»

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