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Heinz Holliger mag das Überraschungspotenzial von Harrison Birtwistle. © Priska Ketterer
Grosse Halle, Reitschule Bern

Musik mit Risiken und Nachwirkungen

Heinz Holliger dirigiert das Konzert «Panik» des Musikfestivals Bern. Das Berner Symphonieorchester und das Trio Accanto interpretieren avantgardistische Musik, die noch eine Weile in den Köpfen des Publikums verharren dürfte.

Als im April mit Harrison Birtwistle einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten verstarb, wurde dies in der Schweiz kaum zur Kenntnis genommen. Zu Unrecht, findet Heinz Holliger. Auch deshalb bringt der 
renommierte Berner Dirigent, Oboist und Komponist zusammen mit 
dem Trio Accanto und dem Berner Symphonieorchester eines der avant­gardistischen Werke Birtwistles ans Musikfestival Bern: «Panic» für Saxofon, Schlagzeug und Orchester sorgte bei seiner Uraufführung 1995 an der berühmten «Last Night of the Proms» in London für Aufregung. Am feierlichen Abschlusskonzert steht meistens eingängige Musik auf dem Programm. «Ein komplexes Werk wie ‹Panic›, das auch Elemente von Jazz und Rockmusik aufweist, hat dann eben grosses Überraschungspotenzial», erklärt Holliger und ergänzt: «Was bringt es, wenn das Publikum die Musik nach zwei Minuten wieder vergessen hat?» Beim Konzert «Panik», welches Holliger dirigiert, dürfte dies nicht passieren. Das exzentrische Stück mit noisigen Elementen hält, was sein 
Titel verspricht.

Neben der Geige der Laptop

Überraschen dürfte auch das Orchesterstück «Utopia III» von Thomas Kessler. Musik von «äusserster Sensibilität», beschreibt Holliger die Komposition. Seit über 50 Jahren arbeitet er mit dem Zürcher Komponisten zusammen. Kessler ist Pionier, wenn es um die Ergänzung des klassischen Instruments mit Elektronik geht. So werden die Mitglieder des Berner Symphonieorchesters auch je einen Laptop vor sich haben und instrumentale und elektronische Klänge zu einer neuen Einheit verschmelzen.

Orchestrierungen im Wochentakt

Den Übergang von Birtwistle zu Kessler gestaltet Holliger mit einer Hommage an einen wichtigen Kom­ponisten der Nachkriegsmoderne. Drei Werke von Bernd Alois Zimmermann – zwei davon sind Rach­ma­ninow-Be-arbeitungen – bringt er als schweizerische Erstaufführung zum Erklingen. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, war Zimmermann beim Westdeutschen Rundfunk als Hauskom­ponist tätig. Im Wochentakt musste 
er Orchestrierungen von bekannten Komponisten abliefern. So arrangierte er auch Rachmaninows «Humoreske» und «Romanze» für Klavier, respektive Saxofon und Orchester um. Eine raf­finierte Orchestration auf höchstem 
Niveau, wie Holliger verspricht.

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