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«Zeit, aus der Erlahmung zu erwachen»: Lee Stalder und Patricia Kopatchinskaja. © Lukas Fierz
Pauluskirche, Bern

Musik als Trost und Kraftquelle

Ein Zeichen der Solidarität: die moldawisch-schweizerische Geigerin Patricia Kopatchinskaja und der Berner Organist Lee Stalder geben ein Benefizkonzert für Musiker­innen und Musiker in finanzieller Not.

«Ich ging oft in den Bremgartenwald und spielte beim Glasbrunnen für die Vögel», sagt Patricia Kopatchinskaja. So idyllisch man sich dieses Musizieren in der Natur während des Lockdowns auch vorstellen mag – diese Zeit hatte für die moldawisch-schweizerische Geigerin auch ihre dunklen Seiten: «Ich geriet zunächst in ein psychisches Desaster», erzählt die Musikerin und künstlerische Leiterin der Camerata Bern. Erst in dieser Krise habe sie realisiert, wie stark ihre mentale Verfassung von ihren Auftritten und Projekten abhänge und wie tief ihr Bedürfnis greife, ihr Geigenspiel mit anderen zu teilen.

Sympathie auf den ersten Blick

In der Folge der Lockerungen keimte bei Kopatchinskaja die Idee auf, ein Konzert in der Berner Pauluskirche zu veranstalten. «Dieses wunderschöne und einzigartige Gebäude befindet sich direkt in meiner Nachbarschaft», sagt sie. Und es sollte ein Benefizkonzert für freischaffende Musikerinnen und Musiker in finanzieller Not werden, denn die Sorge um die Existenzsicherung ihrer Berufskolleginnen und -kollegen war für die Geigerin zusätzlich belastend. «Es ist höchste Zeit, dass die Musikwelt aus der Erlahmung und Angst ausbricht; Livemusik als Trost und Kraftquelle ist im Moment dringend notwendig», sagt Kopatchinskaja.

Also nahm sie Kontakt auf mit dem Organisten und Kantor der Pauluskirche, Lee Stalder. «Es war Sympathie auf den ersten Blick», sagt Kopatchinskaja und erzählt von ihrer Überraschung und Freude, einen so jungen Organisten anzutreffen. Ausserdem habe sie noch nie mit einem Organisten zusammen musiziert. Die Orgel sei eine «neue Klangwelt» für die Musikerin. Während den Absprachen zum Konzert beschlossen Kopatchinskaja und Stalder, den Erlös aus der Kollekte vollumfänglich der Nothilfe-Stiftung des Schweizerischen Musikerverbands (SMV) zukommen zu lassen.

Existenzielle Fragen

Das Konzertprogramm beginnt und endet mit je einem Werk für Violine und Orgel. Den Auftakt macht die empfindsame Komposition «Thema mit Veränderungen» aus «Sechs Stücke für Violine und Orgel» op. 150 des Romantik-Komponisten Josef Gabriel Rheinberger. Im mittleren Teil präsentiert Kopatchinskaja mehrere Werke für Violine solo – darunter etwa die Partita Nr. 2 in d-Moll von Johann Sebastian Bach. «Diese fünfsätzige Komposition, insbesondere der letzte Satz, die berühmte Chaconne, regt an, über existenzielle Fragen nachzudenken», sagt die Geigerin, «sie erinnert uns sowohl an unsere Menschlichkeit als auch an das Übermenschliche.»

Ob sie dann die letzte Violinsonate des Schweizer Komponisten Arthur Honegger aus dem Jahr 1940 auch noch ganz oder partiell spielt, will die Geigerin spontan am Konzert erspüren. «Diese Zeit hat einen gelehrt, flexibel zu sein», sagt sie mit Augenzwinkern.

Sicher ist, dass es zum Abschluss dann die Bearbeitung für Violine und Orgel von «Der geigende Eremit» von Max Reger zu hören gibt. Der Organist Lee Stalder, der seit seinem Studium ein grosser Fan des deutschen Komponisten ist, verweist in Bezug auf dieses Werk auf ein Zitat direkt aus der Feder von Reger: «Der geigende Eremit muss von einer Keuschheit und einer herben Süssigkeit werden wie ein Madonnenbild eines deutschen Meisters aus dem 16. Jahrhundert; alles nur hingehaucht, von unsagbar reiner Poesie umflossen.»

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