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Wortkünstler Jürg Halter.© Rob Lewis
Bernisches Historisches Museum

Kultur hoch drei

75 Minuten Wort, Klang und schöne Exponate: Das 
Bernische Historische Museum, das Berner Kammer­orchester und Jürg Halter gibt es in der Tour «Wort und Klang im Museumsschloss» 3 in 1 zu erleben.

Wenn der lange Kulturlockdown doch etwas Gutes mit sich brachte, dann dies, dass kleine Formate entstanden, die es sonst nicht gäbe. So auch «Wort und Klang im Museumsschloss», eine Zusammenarbeit des Bernischen
 Historischen Museums, des Berner
 Kammerorchesters und unterschied­licher Sprachkünstler*innen.

Im Corona­herbst 2020 fand es erstmals statt, in Anwesenheit von jeweils 15 Zuschauer*innen pro Rundgang. «Unsere Idee war, die Leute wieder ins Museum, ans Konzert und in die Lesung zu bringen», erklärt Niklaus Egg, Geschäftsführer des Kammerorchesters. Dieses 3 in 1 war ein voller Erfolg und findet nun auch dieses Jahr wieder statt. Mit dabei als Wortkünstler ist der Berner Autor und Performer Jürg Halter. Er und Solist*innen des Orchesters treten in verschiedenen Sälen des Museums vor einem kleinen Publikum auf. Musik und Texte nehmen dabei auf die Exponate Bezug.

Sprung in die Gegenwart

Drei Stationen umfasst die jeweils 75-minütige Wort-Klang-Tour, darunter den orientalischen Saal. Ein neunköpfiges Ensemble interpretiert das Stück «Dilogie II» der zeitgenössischen aserbaidschanischen Komponistin Franghiz Ali-Zadah und Jürg Halter bringt die Ausstellungsstücke der orientalischen Sammlung in Bezug zur politischen Gegenwart: «In meinem Text gibt es die Figur einer Syrerin, die in die Schweiz flüchtete und nun mit dem seltsam romantisierten Bild des Nahen Ostens konfrontiert wird, das auch der orientalische Saal vermittelt.» Die Realität heute sei eine erschreckend andere, was besonders im Blick auf ebenfalls ausgestellte, 300 Jahre alte afghanische Schwerter offenkundig werde.

«Was geschieht mit dem Teppich?»

Im Ausstellungssaal «Erobertes Gut – höfische Kunst» spielt ein Streichquartett zu Ottorini Resphigis höfisch-anmutenden «Antiche Danze» auf, während Jürg Halter wiederum den Bogen in eine Welt ausserhalb des Museums schlägt. Ausgehend vom dort ausgestellten Tausendblumenteppich, im 15. Jahrhundert einst im Besitz von Herzog Philipp dem Guten von Burgund, unternimmt er eine Gedankenreise in eine Berner Zukunft, in der die Stadt verlassen, nur mehr Ruine sein wird, und das Museum nichts 
als Geschichte. «Ich frage mich: Was geschieht dann mit dem Teppich und all den anderen Dingen hier?»

Dritte und letzte Station ist Niklaus Manuels «Totentanz» aus dem frühen 16. Jahrhundert, der einst die Mauer des Konvents bei der heutigen Französischen Kirche zierte. Passend zu den frivol-zotigen Szenen des Wandbilds interpretieren Solist*innen des Berner Kammerorchesters Camille Saint-Saëns’ «Danse Macabre», während Jürg Halter darüber sinniert, wie ein Leben nach dem Tod aussehen könnte: «Eine erbauliche Sonntagspredigt wird es aber nicht, der Ton ist eher absurd.»

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