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Dirigent Stephan Zilias.© Simon Pauly
Casino, Bern

Bartók zwischen Bach und Bauernliedern

Am Konzert des Berner Symphonieorchester trifft Dirigent Stephan Zilias auf seinen einstigen Lehrer, den Pianisten Pierre-Laurent Aimard – zu Bartóks «Opus Ultimum». «Diese Wissensberge. Diese Neu­gierde. Pierre-Laurent Aimard verfügt über eine kompromiss- und selbstlose Bereitschaft, sich voll und ganz der Musik zu verschreiben», sagt der deutsche Dirigent Stephan Zilias über den französischen Starpianisten. Seitdem er in jungen Jahren bei Aimard in Köln Klavierunterricht genommen habe, sei dieser eine prägende Inspiration geblieben. Nun kommt es am Extrakonzert des Berner Symphonieorchester (BSO), «Aimard spielt Bartók», zu einer Premiere sowie zu einer neuen Konstellation in der musikalischen Beziehung der beiden: Bei der Darbietung des Klavierkonzerts Nr. 3 des ungarischen Komponisten Béla Bartók gibt Stephan Zilias am Dirigentenpult den Takt an, während Aimard am Flügel den virtuosen Solopart interpretiert.

Die letzte Retrospektive

Das dreisätzige Werk komponierte Bartók im Jahr 1945, bis fünf Tage vor seinem Tod. Viele deuten das «Opus Ultimum» als musikalische Retrospektive, in der der Komponist mit versöhnlicher Milde die Essenz seines Schaffens destillierte. So leuchtet in den Harmonien, Melodien und Rhythmen nebst Referenzen an Johann Sebastian Bach auch immer wieder die «Bauernmusik» seiner ungarischen Heimat auf, mit der sich Bartók jahrzehntelang intensiv auseinandersetzte.

Zitate aus Werken von Bach enthält auch die Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61 von Robert Schumann, die das BSO im zweiten Teil des Konzerts präsentiert. Das Werk entstand in den Jahren 1845 und 46 – einer Zeit, in der sich der Komponist in der ersten ernsthaften gesundheitlichen Krise befand. Die Beschäftigung mit Musik betrachtete Schumann aber als Therapie; so soll er gesagt haben, dass er sich von seinen Depressionen zu heilen suche, indem er Bach studiere und eben jene Sinfonie schreibe.

Mitbringsel aus Hannover

Aus dieser schwierigen persönlichen Situation heraus entsprang schliesslich eine Musik, die in den langsamen Passagen tröstlich und in den schnelleren Sätzen heroisch-kämpferisch wirkt. «Insbesondere der Finalsatz hat eine lebensbejahende Energie», sagt Stephan Zilias. Diesen Schwung hinzukriegen, sei allerdings gar nicht so einfach. Daran habe er mit dem Berner Symphonieorchester ebenso gearbeitet wie an einer «klaren und transparenten Stimmführung». Der dritte Komponist auf dem Programm ist Hans Werner Henze. Dieser machte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts im Bereich der Neuen Musik einen Namen, indem er verschiedene Stile zu einer ganz eigenen Klangsprache zusammengoss.

Stephan Zilias nennt die vier sinfonischen Zwischenspiele aus Henzes lyrischem Drama «Boulevard Solitude», mit denen er und das BSO den Abend eröffnen, ein «Mitbringsel» aus Hannover. Denn während der Dirigent gerade sein zweites Jahr als General­musikdirektor der Staatsoper Hannover und als Chefdirigent des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover beginnt, feierte der Komponist Henze mit seiner Oper «Boulevard Solitude» vor knapp 70 Jahren in diesem Haus seinen Durchbruch.

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