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Von der einfachen, jungen Frau entwickelt sich Heidi zur rachedurstigen Kämpferin. Im Hintergrund: das Matterhorn.© Exploitation Films
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Wenn Heidi Faschisten aufschlitzt

Endlich zieht «Mad Heidi» in die Kinos ein. Im Exploitation-Film, der grösstenteils von 
Fans finanziert wurde, erhebt sich Heidi aus den Bergen mit tödlichen Fightmoves gegen einen faschistischen Käsemonopolisten.

Es ist ein düsteres Land, in das «Mad Heidi» ihre Fans mitnimmt. Der lang ersehnte Exploitation-Film zeigt eine dystopische Schweiz: Der faschistische Meili verfügt hier über das Käsemonopol, seine Gefolgschaft trägt statt Hakenkreuz ein Schweizerkreuz am Oberarm und wer laktoseintolerant ist, wird politisch verfolgt. Ganz idyllisch scheint es nur noch in den Alpen. Hier leben die einfache Heidi, gespielt von der schottischen Schauspielerin Alice Lucy, und ihr Lover Geissenpeter inmitten von Edelweiss und Glocken­gebimmel – bis Kommandant Knorr Heidis Peter vor versammelter Dorfgemeinschaft mit der Armbrust den Kopf wegschiesst. So die tragische Ausgangslage für Heidi, die sich in diesem Streifen von der unschuldigen jungen Frau zur rachedurstigen Befreiungskämpferin mit blutgetränkter Hellebarde mausert.

«Mad Heidi» ist reich an Splatter-
Effekten und bedient sich auch mitleidlos Klischees: Egal, wo sich die Handlung gerade abspielt, im Hintergrund ist fast immer das Matterhorn zu sehen. Max Rüdlinger hat als Kommandant Knorr nicht nur sexuelle Vorlieben, die den Puls der Fleischlobby in die Höhe schnellen liessen, er foltert auch am liebsten mit Schweizer Milchprodukten. Und statt Hitlergruss gibt es den Rütlischwur. Dass in diesem englischsprachigen Trash-Film einige Schweizer Darsteller*innen ihren Akzent zum Besten geben, ist noch das gut helvetische Supplement, das es zu den absichtlich abgedroschenen Filmdialogen obendrauf gibt.

Hommage an den Film der 70er-Jahre

Um zu zweit einen solchen Film 
zu drehen, brauche es schon denselben Humor, erzählen die Regisseure. 
Johannes Hartmann und Sandro Klopfstein gründeten 2010 eine gemeinsame Produktionsfirma in Bern. «Wir ergänzen uns gut», sagt Klopfstein. Dennoch diskutierten sie während des Drehs viel. «Wir schaukelten uns gegenseitig auf, um die Witze auf die Spitze zu treiben», sagt Klopfstein. Hartmann ergänzt: «So kommt es zu besseren Pointen, als wenn man sich von Beginn an einig ist.»

Sandro Klopfstein und Johannes Hartmann mögen altes Filmschaffen, besonders aus den 70er-Jahren und aus der Exploitation-Ecke. Dennoch richtet sich «Mad Heidi» nicht nur an Genrefans. «Früher reichte ein reisserisches Plakat mit Blut und Brüsten schon fast für den Erfolg», so Hartmann. Doch die Ansprüche des Publikums seien gewachsen. Trash mit Reflexion sei das Ziel gewesen: «Wir wollten einen Film drehen, den sich nicht nur Exploitation-Fans ansehen.»

Ohne ausgemachte Fans hätte die blutige Heidi aber nie die Leinwand unsicher gemacht. Die Indie-Produktion wurde durch Crowd Investing ermöglicht. Investor*innen aus der ganzen Welt gaben insgesamt zwei Millionen Franken an das Projekt. Dafür mussten die Macher von «Mad Heidi» eine Fanbasis aufbauen, bevor der Film überhaupt im Kasten war. Doch wird man über 500 Geldgeber*innen gerecht?

«Das war auch unsere grosse Angst», sagt Sandro Klopfstein. Sie konnten aber auf das Vertrauen der 500 Kapitalgeber*innen zählen, die ihnen freie Hand liessen. An der Weltpremiere in Brüssel sei dann die Erleichterung eingetreten: «Der Film kam auch bei den Investor*innen sehr gut an.»

Sind Gelder von Fans die Zukunft für den Film? Das wird sich mit den Zuschauerzahlen zeigen: Statt auf einer herkömmlichen Streaming-Plattform wird «Mad Heidi» nach den 
Kinovorstellungen auf der eigenen Website veröffentlicht. Sollte das gut laufen, planen Johannes Hartmann und Sandro Klopfstein eine Fortsetzung von Heidis Rachezug.

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