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Mario (Max Hubacher) und Leon (Aaron Altaras) müssen ihre Liebe geheim halten. © Frenetic Films
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Entweder Trikot oder Traumpaar

Der junge Berner Kinostar Max Hubacher und sein kongenialer deutscher Kollege Aaron Altaras spielen in «Mario» von Marcel Gisler ein schwules Paar bei YB. Man leidet mit.

Von Liebe sprechen sie gar nicht erst. Die Berater und Manager, die über Mario und Leon verhandeln, als wären sie nicht im Raum, sind sich einig: Fussball und Schwulsein geht nicht. Selbst habe man «ja kein Problem damit, aber ...». Schuld seien die Fans, die Sponsoren, das Image, der Marktwert. «Man spielt nicht im gleichen Team und fickt miteinander. Ihr müsst euch entscheiden: Profis werden oder Spass haben.» Aber für die beiden Stürmer der U21-Mannschaft der Berner Young Boys ist es kein Spiel. Der lokale Perspektivenspieler und der Neue aus Deutschland sind heftig verliebt.

Normal gleich hetero

«Mario» des St. Galler Filmemachers Marcel Gisler, der sich nicht zum ersten Mal einem Tabu annimmt («Electroboy»), beruht auf Recherchen in der Szene und darf die Infrastruktur von YB benutzen. Max Hubacher («Lasst die Alten sterben») und Aaron Altaras («Die Unsichtbaren») spielen das Traumpaar, das nur neben dem Rasen existieren darf, sehr natürlich. Vor allem die sanften, leisen Szenen berühren: selbstvergessene Momente beim Blödeln am Fluss oder die verstohlenen Blicke am Anfang in der gemeinsamen Spieler-WG. Die Intimität, gut gespiegelt in der Musik, hätte dabei ruhig noch etwas mutiger ausfallen dürfen – es muss ja nicht gleich «Brokeback Mountain» sein.

Unter den Nebenfiguren überzeugen besonders die gegensätzlichen Charaktere von Marios Vater (Jürg Plüss) und Berater (Andreas Matti). Letzterer ist empathischer, spielt jedoch ebenso nach den Regeln des Clubs, der befiehlt: «Verhaltet euch normal», also in der Öffentlichkeit heterosexuell, am besten mit einem Date im Arm. Die einzigen, die neben Leon entschieden für die Liebe plädieren, sind die Frauen: Marios Mutter (Doro Müggler) und seine beste Freundin (Jessy Moravec). Für ihre Rollen wurden Hubacher und Moravec mit dem Schweizer Filmpreis 2018 ausgezeichnet.

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