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Bernhard Schürch vom Kino Cinématte© ZVG
Cinématte, Bern

«Streamen fühlt sich nicht wie Kino an»

Bernhard Schürch ist Betriebsleiter des Kino Cinématte. So richtig gut könne es für das Kino erst wieder werden, wenn das normale Programm gefahren werden dürfe. Und: Das Streamen ersetze das Kinoerlebnis nicht.

Bernhard Schürch, gab es trotz behördlich verordneter Schliessung im Betrieb zu tun oder waren Sie als Veranstalter zur Langeweile gezwungen?
Zu tun gab es vorerst reichlich: Veranstaltungen absagen oder, wenn möglich, verschieben, Personal, Vorstand, Verein und Medien informieren, erste Abklärungen betreffend Finanzen treffen. Etwas später: In welcher Form und wann machen wir unsere Mitgliederversammlung, wie lange überleben wir überhaupt, Gesuche schreiben, Kurzarbeit beantragen... Noch später: Wiedereröffnung planen, Schutzkonzept umsetzen, Betrieb wieder hochfahren. Dazwischen gab es ein paar Wochen, wo nicht viel zu tun war – mit Langeweile hat dies aber nichts zu tun.

Hat die Cinématte trotz verschlossener Türen der Besucherin, dem Besucher etwas geboten?
Nein. Wir haben uns dagegen entschieden. Die gute Stimmung, das wohlige Gefühl, die Erwartung, all dies gehört bei einem Besuch in der Cinématte dazu, das kann digital nicht nachgestellt werden. Filme streamen kann das Erlebnis eines Kinobesuchs nicht ersetzen. Das Kino hat so manche Veränderung und Krise überlebt, da bin ich sehr zuversichtlich, dass die Leute auch nach längerer Pause dieses einmalige Erlebnis nicht vergessen haben.

Kam das behördliche OK zur Wiedereröffnung etwas überstürzt oder waren Sie darauf vorbereitet? Mit welchem Programm haben Sie das Kino wiedereröffnet?
Wir waren zwar überrascht, aber froh, dass es so schnell ging. Vorerst haben wir den Dokumentarfilm «Honeyland» lanciert, der seine Premiere ursprünglich im März bei uns gehabt hätte. Zudem haben wir zwei Spielfilme programmiert, die thematisch passend sind: «Parasite» und «Hors normes».

Kommen Sie mit dem Kino Cinématte finanziell über die Runden oder wären Sie ohne staatliche Hilfe im Minus?
Ob wir finanziell über die Runden kommen, werden wir wohl erst in etwa einem Jahr wissen. Unser Betrieb lebt teilweise von privaten Anlässen. Wir haben, aufgrund der Krise, bereits Absagen von grösseren Weihnachtsanlässen erhalten. Nicht aus Angst vor dem Virus, aber weil die Firmen unter Spardruck stehen. Daher sind Prognosen sehr schwierig. Der Re-Start war toll, aber so richtig gut kann es für uns erst werden, wenn wir wieder unser normales Programm fahren dürfen.

Wie haben Sie während des Lockdowns den Abend zu Hause verbracht?
Im Kreise der Familie haben wir viel gespielt. Ich habe Bücher gelesen, Schallplatten gehört und online das Filmfestival Visions du Réel genossen. Ab und zu habe ich auch einen älteren Filmklassiker aus unserer privaten DVD-Sammlung angeschaut, etwa «Delicatessen» von Jeunet und Caro, mit welchem wir unser Sommerkino am 4. Juli in der Cinématte gestartet haben. Täglich spielen wir danach einen Klassiker: von Ang Lees «Eat Drink Man Woman» über Terry Gilliams «Brazil», Rian Johnsons «Knives Out» bis zu einem Programm mit schwedischen Kurzfilmen.

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