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Fleshka zapft Bier, ihr gegenüber sitzt Moe, in die sie sich verliebt.© Sister Distribution
Diverse Orte in Biel, Bern und Umgebung

Mutige folgen ihren Träumen

Das Drama «Wet Sand» dreht sich um queere Liebe im Mikrokosmos eines georgischen Dorfes. Der Gewinner des Berner Filmpreises 2022 läuft am Be-Movie-Festival, das drei Tage lang hiesiges Filmschaffen feiert.

«Follow Your Fucking Dreams!» steht auf dem Rücken. Die Jeansjacke mit der Aufschrift trägt Fleshka oft, wenn sie hinter dem Tresen von Amnons Café-Bar steht und auch mal in den Kaffee des Dorfpolizisten spuckt. Vielleicht tut sie dies, weil er, wie alle anderen Männer im Dorf, überzeugt ist: Fleshka wurde im falschen Körper geboren.

«Wet Sand», nach «I am Truly a Drop of Sun on Earth» (2017) der 
zweite Langzeitfilm der georgisch-
schweizerischen Regisseurin Elene Naveriani, fängt den Trott einer patriarchalen Dorfgemeinschaft an der 
georgischen Küste ein. Sexistische Schenkelklopfer von denjenigen, deren nackte Beine an den Sitzflächen der billigen Plastikstühle kleben, gehören zu Fleshkas Alltag wie die überwältigende Aussicht aufs Meer. Für ihr Umfeld ist sie schon dadurch anders, dass sie allein in ihrem Haus lebt.

Wer in den langsamen Sequenzen ihren Blicken folgt, die sie mit dem 
Café-Besitzer, dem sanftmütigen 
Amnon austauscht, während im Hintergrund auf dem Bildschirm der «Tag der Familie» zelebriert wird, der in 
Georgien bis vor Kurzem noch «Tag der Homophobie» hiess, ahnt: Da kommt noch mehr.

Keine Trauer um den «Gottlosen»

Das Unausgesprochene wird dann überpräsent, als ein Dorfbewohner namens Eliko erhängt aufgefunden wird. Denn niemand in der Gemeinschaft trauert um den «gottlosen» Mann, ein Begräbnis auf dem Friedhof soll er nicht bekommen. Nur Amnon, der mit Eliko 22 Jahre lang eine heimliche Beziehung führte, ist vom Schmerz des Verlustes gezeichnet. Als die Enkelin des Toten, die toughe Moe, aus der nahe gelegenen Hauptstadt fürs Begräbnis anreist, bekommt die Message auf Fleshkas Rücken eine neue Bedeutung. Denn nun steht sie vor der Frage, ob sie sich den «verdammten» Traum leisten kann, in einer ultra konservativen Gemeinde zu ihren Gefühlen für eine andere Frau zu stehen.

Dass «Wet Sand» nicht von einer ausschliesslich provinziellen Problematik handelt, zeigt sich schon darin, dass Regisseurin Naveriani keine professionellen georgischen Schauspieler*innen fand, die bereit waren, Amnon, Fleshka oder Moe zu verkörpern. Was die Wucht des Filmes noch verstärkt: «Wet Sand» ist ein berührendes Drama, das auf Beschönigendes verzichtet und am Ende doch Hoffnung wagt.

Festival: Diverse Orte in Biel, Bern und Umgebung. Fr., 18., bis So., 20.11.
www.be-movie.ch
Wir verlosen 2 Festivalpässe.

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